Stadt setzt Rotstift an: Max Ophüls soll bluten
Der Letzte
macht das Licht aus? Soweit ist es beim Max-Ophüls-Preis zum Glück noch
nicht, doch die Kürzung, die die Stadt Saarbrücken dem Festival verordnen
will, wird sich nur schwer verkraften lassen. 120 000 Mark weniger soll es künftig
für das Festival der blauen Herzen geben. Die eingesparten Mittel gehen dann
an das Theaterfestival "Perspectives". Ophüls-Festivalchefin Christel
Drawer muß jetzt also verstärkt nach anderen Geldgebern suchen, soll
es für den Filmpreis auch nach der 22. Ausgabe, die vom 16. bis 21. Januar
läuft, noch eine Fortsetzung geben.
Der Saarbrücker Kulturausschuss will den Etat des
beliebten Filmfestivals um
120000 Mark kürzen - Mittel für "Perspectives"
sollen aufgestockt werden
Einschneidende Mittelkürzung: Für den
22. Max-Ophüls-Preis vom 16. bis 21.
Januar 2001 will die Stadt Saarbrücken
den Etat um 120000 Mark kürzen. Der
Anfang vom Ende des beliebten Film-Festivals?
Noch ist nichts entschieden. Aber es sieht so aus, als müsse Max Ophüls
bluten.
Die Stadt Saarbrücken als Veranstalter und Hauptfinanzier hat
den Rotstift angesetzt:
Der städtische Etat soll um 120000 Mark gekürzt
werden, von 820000 auf 700000 Mark.
Das bestätigte Saarbrückens
Kulturdezernent Rainer Silkenbeumer auf Anfrage der
"Saarbrücker
Zeitung" . Im Gegenzug soll der Etat der "Perspectives" , die ja
im
nächsten Jahr mit einer neuen Konstruktion an den Start gehen, von
585000 auf
700000 Mark aufgestockt werden. Der Kulturausschuss habe sich für
die
Mittelkürzung beim Ophüls-Preis ausgesprochen, jetzt befasse
sich der
Finanzausschuss damit, ehe dann der Stadtrat endgültig entscheiden
muss. Der
Kulturausschuss sei angesichts der angespannten finanziellen Situation
der Stadt
mehrheitlich der Meinung gewesen, dass das beliebte Saarbrücker
Festival
abspecken solle. So werde die Reihe "Blick über die Grenzen"
, die "mit
zusätzlichen hohen Kosten" verbunden sei, der Kürzung
zum Opfer fallen, meinte
Silkenbeumer. Man wolle dafür aber den Kern
des Festivals, den Wettbewerb des
deutschsprachigen Filmnachwuchses, stärker
herausstellen. Für Festivalleiterin
Christel Drawer ist angesichts der
drohenden Mittelkürzung guter Rat teuer.
"120000 Mark kann
man nicht so einfach einsparen" , meinte Drawer, "wir
müssen
uns nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten umsehen." Der
Max-Ophüls-Preis
zählt nach wie vor zu den vier, fünf bedeutendsten
Filmfestivals
in Deutschland, findet bundesweiten, ja internationalen Zuspruch. Doch wie
lange noch? "Die Konkurrenz von anderen Festivals ist riesengroß"
, so Drawer, die
Kosten steigen, da werde es immer schwieriger, ein attraktives
Festival zu
organisieren. Vor allem schrillen bei der Festivalleiterin die
Alarmglocken, weil
sie nicht weiß, wie es in den kommenden Jahren finanziell
weitergehen soll. Sie
habe durchaus Verständnis für die schwierige
Lage der Kommune. Doch wenn
sich die Einsparungen als Trend erweisen würden,
dann sei das Festival in der
jetzigen, sehr erfolgreichen Form auf Dauer nicht
zu halten. Dann sei das
Ende der Fahnenstange schnell erreicht, und wir hätten
hier in ein paar Jahren
"nur noch eine regionale Filmschau" , von
der überregional keiner mehr Notiz
nehmen würde. Das sei sicher
weniger gewünscht. Und soweit muss es ja nicht
kommen. "Wir bemühen
uns um weitere Sponsoren und um Kooperationspartner" ,
erklärt Christel
Drawer, "doch das geht nicht von heute auf morgen." Derzeit sei
man unter anderem dabei, sich zusammen mit dem Institut d'Etudes françaises
an der Saar-Uni nach französischen Filmen für das Festival umzusehen.
Mit dem
ZDF kooperiere man auch gut und im gastronomischen Bereich sei die
Saarbrücker
Garage (Lolas Bistro) "als Festival-Partner eingestiegen."
Die abendlichen
Live-Programme in Lolas Bistro würden aber auch den bevorstehenden
Kürzungen
zum Opfer fallen.
Für den Wettbewerb um den
22. Max-Ophüls-Preis vom 16. bis 21.
Januar wurden über 260 lange,
mittellange und kurze Filme eingereicht. Zur
Zeit sichtet der Auswahlausschuss
die Produktionen aus Deutschland, der Schweiz
und Österreich. "Wir
werden wieder einen sehr guten Überblick über das
Filmschaffen des
Nachwuchses bieten können" , meint die Festivalleiterin, "von
der Hochschul-Abschlussproduktion bis zum professionellen Film ist alles
drin."
Man werde 18 oder 19 Filme im Wettbewerb präsentieren, gut die Hälfte
davon in Ur- oder deutschen Erstaufführungen. Stark vertreten seien erneut
Filme über Jugendliche, ihre Probleme und Befindlichkeiten.
THOMAS
REINHARDT