Mit
einem Lächeln geht alles besser

So ein Mann. . . Für den Fotografen macht Margit Lembert einen Jux mit der
"Max"-Figur im Filmhaus.
(Foto: Merkel)
Margit Lembert
sorgt dafür, daß sich die vielen Gäste beim Ophüls-Preis
wohlfühlen
An ihr kommt kaum jemand vorbei. Ob Journalisten, Regisseure,
Schauspieler oder ganz "normale" Filmfreaks mit Dauerkarten: Alle lernen
Margit Lembert zwangsläufig kennen. Im Filmhaus ist sie - gemeinsam mit hilfsbereiten
Kollegen - die Herrin der Karten. Und man geht gern bei ihr vorbei. Hilfsbereit
ist sie immer. Wenn es möglich ist, drückt sie (vor allem bei uns oft
ziemlich unorganisierten Journalisten) immer mal ein Auge zu. Manchmal sogar zwei.
Mitten im dicksten Streß bleibt stets noch Zeit für ein Lächeln.
Und eine gepflegte Erscheinung ist die Mittvierzigerin dazu.
Seit fünf
Jahren arbeitet sie im Saarbrücker Filmbüro. Seit vier Jahren gehört
sie mit zu dem Team, das dem Ophüls-Preis sein immer wieder so gerühmtes
Flair, dem Festival der blauen Herzen soviel Herz gibt. Dabei kam sie eher zufällig
dazu. Die gelernte Industriekauffrau hatte vorher bei Möbel Ott gearbeitet,
"bis die Firma Konkurs machte, da war ich plötzlich arbeitslos".
Da bot ihr das Arbeitsamt eine ABM-Stelle an - beim Filmbüro. Und sie griff
zu.
Daß an diesem Arbeitsplatz ziemlich vieles ziemlich anders
ist, merkte sie schon bei der Begrüßung. "Mit ihnen fängt
ein anderer Neuer an", hatte man ihr gesagt. "Als ich ankam, führt
mich genau dieser Neue überall herum, zeigte mir, was und wo ich arbeiten
solle. Da war ich so fertig, daß ich beinahe um viertel vor zwölf schon
wieder heimgegangen wäre". Was sie nicht wissen konnte: Der "Neue"
war Ewald Blum. Und der war damals schon ein Herzstück beim Ophüls-Preis
und im Filmbüro - aber bis dahin freiberuflich.
Da ging sie dann
doch nicht um viertel vor zwölf. Und nun fühlt sich Margit Lembert schon
seit fünf Jahren wohl im Filmbüro. Über Mangel an Arbeit kann sie
das ganze Jahr nicht klagen. Aber während des Festivals geht's natürlich
besonders rund. Um acht beginnt der Tag. Da sorgt sie erstmal dafür, daß
im Kino im Filmhaus der Bestand an Süßwaren und Getränken aufgefrischt
wird ("ich habe ein richtiges Warenlager in meinem Büro"), bestellt
Nachschub bei Brauereien und Eishändlern. Um 9 Uhr öffnet das Kartenbüro.
Und wird den ganzen Tag von filmhungrigen Besuchern gestürmt.
Während
unseres kurzen Gesprächs schaffen wir nie mehr als drei Sätze. Entweder
klingelt das Telefon oder irgendjemand braucht ganz dringend etwas. Dabei ist
es noch recht früh am Tag. Der eigentliche Ansturm kommt erst. Um sechs Uhr
schließt der Laden. Danach ist aber nicht etwa Feierabend, dann wird abgerechnet.
Vor 21, 22 Uhr ist selten Feierabend. "Mein Mann hat sich schon damit abgefunden",
lächelt Margit Lembert, "der versorgt sich in dieser Zeit selbst".
Wenn das Festival rum ist, macht die Kleinblittersdorferin erst mal Urlaub - in
Spanien. Übrigens: Von den Festival-Filmen erlebt sie nicht einen einzigen.
Wann auch? Aber privat sieht sie gerne Spielfilme. "Am liebsten hab' ich
Action-Filme", verrät sie. Wahrscheinlich reicht die Action im Filmbüro
einfach nicht aus.
SUSANNE BRENNER