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Vier jugendliche Straftäter arbeiten am Projekt eines Kurzspielfilms, der
mehr oder weniger ihr eigenes Leben spiegelt. Im Laufe des Projekts öffnen
sich die Jugendlichen dem Dokumentarfilmer, erzählen von ihrer kriminellen
Karriere, den berlebensstrategien im Knast und ihren Wünschen für
die Zukunft. Einfühlsamer Film, der nichts beschönigt und dem es über
den Kunstgriff eines Film-im-Films gelingt, eine große Nähe zu den
Porträtierten aufzubauen. (Filmdienst)
Die Jugendstrafanstalt
Ichtershausen bei Erfurt: Vier junge Strafgefangene erzählen aus ihren Leben,
schildern ihre Knasterfahrungen. Dies alles ergibt sich so nebenbei scheinbar
ohne ordnende Struktur, im Gespräch mit dem Filmemacher und untereinander,
beim Flachsen, in Alltagssituationen. Ein Gefängnisleben immer wieder kommen
Bilder von menschenleeren Korridoren ins Blickfeld, sie bilden den Rahmen des
Films, der mehr sein will als eine bloße Zustandsbeschreibung: während
der vierwöchigen Dreharbeiten entwickelten die Jugendlichen einen eigenen
Kurzspielfilm. Die Arbeit am Film machte den vier sichtlich Spaß
und lenkte vom tristen Alltag ab; dem Regisseur Teigler ermöglichte sie,
eine große Nähe zu seinen Protagonisten aufzubauen. Doch Teigler gibt
sich mit der gruppendynamischen Kopfgeburt nicht zufrieden, sondern will diesen
Film auch realisieren. Dafür muss auch die Rolle der Sybille besetzt werden;
mit Feuereifer casten die Jungs ihre Hauptdarstellerin und beginnen mit den Dreharbeiten,
bei denen sie selbst die männlichen Rollen übernehmen. Das Ergebnis
ist ein reizvoller schwarz-weißer Film mit unterschwelliger Ironie, der
den vorhergehenden Dokumentarfilm spiegelt und der der eigentliche Grund für
die Offenheit der jungen Straftäter ist. Am Ende steht eine ebenso rührende
wie bezeichnende Szene: Als die Darstellerin der Sybille nach den Dreharbeiten
die Justizvollzugsanstalt verlässt, mag sich ihr Filmpartner gar nicht von
ihr trennen, drückt sie an sich und will sie kaum mehr los lassen. Hier wird
das Spiel für Augenblicke zur ersehnten Wirklichkeit. (Hans Messias, Filmdienst) Vier
Wochen lang hat der Filmemacher Rolf Teigler in der JVA Ichtershausen gedreht.
Behutsam und einfühlsam nähert er sich den Jugendlichen, hört ihnen
geduldig zu. Baut Vertrauen auf. Unspektakulär passiert das, ganz nüchtern
und sachlich ist der Kommentar. Kein Zeigefinger, aber auch keine Beschönigung.
Doch "Outlaws" ist mehr: Während der vierwöchigen Drehzeit
erarbeiten einige der Strafgefangenen einen eigenen Kurzspielfilm. Sie entwickeln
die Figuren, die Story, suchen nach den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und
den sozialen Hintergründen für die kriminellen Taten. Eigentlich erzählen
Felix, Andreas und ihre Kumpel ihre eigene Geschichte, jeder steuert was bei,
und so geben sie auch nach und nach immer mehr von sich selbst preis. Heraus kommt
ein spannender Schwarz-Weiß-Film der am Ende mit einer sehr dichten, berührenden
Szene viel von der Realität erzählt. (Thomas Reinhardt, Saarbrücker
Zeitung) Der Regisseur Rolf Teigler hat jenes Wunder vollbracht, das
im Dokumentarfilm immer wieder von neuem möglich ist: einem Ausschnitt der
Wirklichkeit so viel Raum zu geben, dass er sich vor unseren Augen mit seiner
eigenen Logik und der eigenen Stimme entfalten kann, um uns zu überraschen
und in den Bann zu ziehen. Wenn es gelingt, dann eröffnet die kleine
Welt, der wir dort begegnen, ein Verständnis nicht nur für diese, sondern
auch für die großen Zusammenhänge und Gefühle, die die Welt
bewegen. So ist Teiglers Film "Outlaws" nicht nur das Porträt einer
Gruppe von Gefangenen in der Jugendhaftanstalt Ichtersleben sowie das Bild einer
Generation von Jugendlichen, die in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung
mit der ganzen Härte unseres innerdeutschen clash of cultures konfrontiert
wurde, sondern auch ein Film über die Mythen der Jugend, über die Sehnsucht,
sich über alle Regeln und Grenzen hinwegzusetzen, ohne Rücksicht auf
sich selbst oder andere. Wie von selbst ergibt sich für den Zuschauer
dabei so etwas wie das eigentliche making of des deutschen Gangsterkinos. Angesichts
der Schlagfertigkeit und Überzeugungskraft, mit der die jungen Männer
über ihre kriminelle Vergangenheit reden, über die kleinen Coups und
das große Geld, wirken all die Til Schweigers, Ben Beckers und Jürgen
Vogels plötzlich nur mehr wie ein Abklatsch ihrer echten Kollegen. Wer
beim Thema kriminelle Jugendliche im Osten Deutschlands die verstockten Gesichter
und unbeholfenen Drucksereien vermutet hat, die aus so vielen Fernsehdokumentationen
hinlänglich bekannt sind, der wird hier sehr überrascht sein... Mit
seinen behutsamen Fragen, einer komplizenhaften Kamera und der ruhigen Montage
von Großaufnahmen der Gesichter und mit Bildern der Zellen, Flure und Gefängnisgebäude
ist Teigler ein vielschichtiges Bild von "da drinnen" gelungen. Vom
Innern des Gefängnisses und von den Gefühlen der Jugendlichen da draußen
in Thüringen. (Ilka Schaarschmidt, Tageszeitung)
Biofilmographie Rolf Teigler
- 1957 geb. in Unna (Westfalen)
-
Lehrer in North Yorkshire/England
- Studium an der DFFB Berlin
-
Abschlußfilm: "Die verlorenen Kinder"
- Filmworkshops und
Dozent an verschiedenen Filmhochschulen
- Videoarbeit mit Strafgefangenen
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