Laudatio zur Verleihung des Filmhaus-Ehren-Awards
für Kameramann Klaus Peter Weber von Karin Nehl, kulturpolitische Sprecherin
der FDP Stadtratsfraktion "Was Sie eben gesehen haben, meine Damen und
Herren, wird allen Festival-Besuchern unter Ihnen bekannt sein. Weniger bekannt
sind oftmals die Macher, die Leute also, die solche tollen Ideen entwickeln -
und im konkreten Fall selbst hinter der Kamera gestanden haben! Ich spreche jetzt
von Klaus Peter Weber. Er ist seit mehr als 30 Jahren Kameramann, und hat
sich in der Fachwelt einen ganz hervorragenden Ruf erworben. Wir beide, Herr
Dr. Addicks und ich, freuen uns sehr, dass wir heute den Filmhaus-Ehren-Award
an ihn überreichen dürfen. Damit wollen wir einen Bürger unserer
Stadt ehren, der sich in besonderem Maße um die Filmkunst verdient gemacht
hat. Dass wir es sind, die diesen Preis überreichen, hat einen ganz einfachen
Grund: Der Filmhaus-Ehren-Award, den der renommierte "Bilderkünstler"
für seine hervorragende Arbeit erhalten wird, wurde von der FDP Saarbrücken
gestiftet. Wir - als Vertreter der FDP in Saarbrücken - wollen damit
aber auch deutlich machen, wie wichtig für uns die Förderung der Filmkunst
ist. Und wir legen großen Wert darauf, dass die Filmkunst in Saarbrücken
präsent ist und bleibt! Oder anders ausgedrückt: Wir wollen, dass Saarbrücken
als Ausrichter des Max-Ophüls-Festivals, mehr und mehr als Filmstadt an Profil
gewinnt! Das Filmhaus mit seinem anspruchsvollen Programm und den vielfältigen
Veranstaltungen spielt dabei eine sehr wichtige Rolle - das sei hier nochmals
betont. Es ist gute Tradition - Herr Schwarz-Paqué hat es schon gesagt
- dass immer wieder auch Saarbrücker Filmschaffende hier im Filmhaus geehrt
werden. Mit Klaus-Peter Weber erhält nun ein Kameramann den Ehrenpreis,
der sich nicht nur bei uns in Saarbrücken und im gesamten Saarland, sondern
über die Grenzen hinaus sich einen Namen gemacht hat. Erst Mitte Juni wurde
Klaus Peter Weber in Luxemburg für seine Verdienste um den Luxemburger Film
zum "Ritter des Verdienstordens" ernannt. In der Laudatio des Kultusministers
hieß es: "Klaus Peter Weber hat durch Engagement und Enthusiasmus die
Filmkunst in Luxemburg von den Anfängen bis zum heutigen Tag geprägt".
Es ist also bei Weitem nicht der erste Preis, den er erhält: Aber - so hat
er mir versichert - freut er sich über den Preis des Filmhauses ganz besonders.
Auf diese Weise wird die Meinung deutlich widerlegt, wonach der Prophet im eigenen
Lande nichts gilt. Ich halte hier eine stolze Liste in der Hand, wo all die
großen Leistungen und entsprechenden Auszeichnungen aufgeführt sind.
Ich zähle insgesamt - sage und schreibe - vierzehn(!). Auch der Max-Ophüls-Preis
ist dabei. 1987 erhielt Klaus Peter Weber den Spezialpreis der Jury für seinen
Max-Ophüls-Trailer. Man war damals hellauf begeistert von seiner Arbeit.
Und obwohl naturgemäß nicht im Auswahlverfahren, wurde er sofort prämiert.
Daneben gibt es noch mehrfache Nominierungen für den deutschen Kamera-Preis.
Außerdem wurden Filme preisgekrönt, an deren Gestaltung Klaus
Peter Weber maßgeblich mitgearbeitet hat. Zwei Mal wurde der Adolf-Grimme
Preis verliehen. Es gibt Auszeichnungen auf der Mannheimer Filmwoche, bei Filmfestivals
in San Sebastian und Monte Carlo; m i t dabei ist auch ein Fernsehpreis aus der
ehemaligen UDSSR. Was ist eigentlich das Besondere an seiner Bilderkunst?
Nun, Klaus Peter Weber hat nicht nur einen besonderen Blick für das Motiv,
und er weiß nicht nur mit Licht und Schatten auf eindrucksvolle Weise Effekte
zu setzen. Das macht sich übrigens ganz besonders gut bei der Schwarz-Weiß
Fotografie. Eine eher selten gewordene Technik, die er meisterlich beherrscht.
Ob Schwarz-Weiß oder Farbe: Er hat eine besondere Stärke entwickelt,
Situationen und Stimmungen einzufangen. Mit viel Einfühlung vermag er Lebenswege
nachzuzeichnen. Hervorragend seine 45 Minuten Porträts von Künstlern
wie Josef Beuys, Rainer Maria Fassbinder, Claude Chabrol, Claudio Abbado, Goetz
Friedrich, Artur Rubinstein, André Heller. Auffallend ist, wie gut
es ihm immer wieder gelingt, das Typische, das ganz Authentische dieser Menschen
einzufangen. Dazu gehört nicht nur eine hervorragende Beobachtungsgabe, sondern
ein hohes Maß an Sensibilität. Es glückt ihm, ganz dicht an die
Menschen heran zu kommen, sie vergessen zu lassen, dass sie ständig durch
die Kamera beobachtet werden. Voraussetzung dazu ist die Gabe, Vertrauen aufzubauen
und die nötige Balance von Nähe und Distanz zu wahren. Das ist seine
Stärke! Das hat ihn zu einem sehr gefragten Partner gemacht! Für Regisseure,
für Filmemacher und für Darsteller. Gerade die Darsteller vertrauen
sich ihm gerne an. Weil sie sich frei entfalten können, weil sie sich frei
fühlen in der Interpretation ihrer Rollen. Auch hier ein paar berühmte
Namen: Kristina Söderbaum, Hildegard Knef, Karin Baal, Hannelore Elstner,
Nicole Heesters, und Mario Adorf, Otto Sander, Eddi Constantine ......die
Liste ist lang! Seine Erfahrungen hat er immer wieder auch gerne an den Nachwuchs,
an Filmemacher im Saar-Lor-Lux-Raum, weitergegeben. Und dies nicht in bequemen
Workshops, sondern in direkter Mitarbeit bei so genannten low-budget oder no-budget-
Produktionen. Seine Begeisterungsfähigkeit hat das gesamt Team mitgezogen.
Zum Thema low-budget habe ich übrigens das folgende Zitat von ihm gefunden,
dass uns gerade heute, da das Geld überall knapper wird, in gewisser Weise
ein Trost sein könnte: "Der Mangel an Geld erzeugt ein Mehr an Kreativität."
Angefangen hat übrigens alles beim Saarländischen Rundfunk. Dort ist
dem Autodidakten Anfang der 60er Jahre der Einstieg gelungen. Und dort hat er
viele Jahre als Kameramann gearbeitet. Zunächst vorwiegend im Bereich der
Dokumentation. Erst später - ab 1980 - verlagerte sich der Schwerpunkt auf
die szenischen Arbeiten. Was manche vielleicht nicht wissen: Der Tatort aus
Saarbrücken wurde fast ohne Ausnahme von Klaus Peter Weber filmisch in Szene
gesetzt. Zur Zeit arbeitet er wieder an einem Tatort. Es wird der letzte Tatort
mit Jochen Senf in der Hauptrolle sein. Jetzt aber - Sie sind sicher schon
gespannt - sehen Sie einige Ausschnitte aus seiner Arbeit. Als Erstes des
Festival-Ur-Trailer von 1987, der von der Jury ganz spontan mit dem Spezialpreis
ausgezeichnet wurde Danach: Das Finale aus dem Luxemburger Kultfilm
Troublemaker Es folgt "Letter unsend" mit Otto Sander als Bufalow
Bill Beim nächsten Kuss knall ich ihn nieder mit Ulrich Tukur
und Peter Fitz Planet der Kannibalen Mit Fatih Akin Vadim Glowna und
Barbara Auer. Zum Schluss der Trailer zum 20. Ophüls Geburtstag, der
übrigens 2001 beim Filmfestival in New York nominiert war! Viel Vergnügen!
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