|
IRN/DEU 2010, 90 Min
FSK ab
D: Rafi Pitts, Mitra Hajjar, Ali Nicksaulat, Hassan Ghalenoi, Manoochehr
Rahimi
08. - 14.04. (Do - Mi) 18.30 Uhr
15. - 21.04. (Do - Mi) 19.15 Uhr
Ali lebt mit seiner Frau und seiner sechsjährigen Tochter in
der Metropole Teheran. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis
arbeitet er in einer Fabrik, doch wegen seiner Gefängnisstrafe
erlauben ihm seine Vorgesetzten nur, während der Nachtschicht
zu arbeiten. Zeit mit seiner Familie kann Ali deswegen kaum noch
verbringen. Dennoch versucht er, ein normales Leben zu führen.
Von Zeit zu Zeit zieht er sich in die Wälder zurück, wo
Stille herrscht und Einsamkeit. Hier, im Niemandsland wilder Natur,
geht Ali auf die Jagd. Im Dickicht der Bäume sucht er nach
einem möglichen Ziel. Doch die trügerische Ruhe seiner
geregelten Lebensbahnen wird herausgefordert, als die Stadt in Aufruhr
gerät. Menschenmassen ziehen durch die Straßen und die
Tumulte erfassen bald auch Ali und seine Familie. Eines Tages kehrt
Ali in eine verwaiste Wohnung zurück - seine Frau und seine
Tochter sind spurlos verschwunden. Nach stundenlangem Warten auf
der Polizeistation erfährt er schließlich, dass seine
Frau bei einer Demonstration erschossen wurde, doch von seiner Tochter
fehlt jede Spur. Hilfe kann er von der Polizei nicht erwarten -
im Gegenteil, sie verdächtigt ihn, mit den Demonstranten zu
sympathisieren. Zwei Tage später wird auch sein Kind tot aufgefunden.
Von maßlosem Zorn ergriffen, nimmt Ali sein Gewehr und bezieht
Stellung auf einem Aussichtspunkt über den zirkulierenden Highways
Teherans. Als ein Polizeiwagen in sein Blickfeld gerät, glaubt
Ali sein Ziel gefunden zu haben.
"ZEIT DES ZORNS" ist die Anatomie einer Rache. Mit Bildern,
die nach Himmel und Hölle greifen, gelingt Rafi Pitts ein zeitloses,
hochsymbolisches und lyrisches Kunstwerk über Stillstand und
Bewegung in einem getriebenen Land. Der schon mehrfach preisgekrönte
Regisseur lässt aus Entrückung und Schweigen eine fesselnde
Leuchtkraft entstehen, er schuf das aufrechte Porträt einer
unbefriedeten und unbefriedigten Gesellschaft. (Presse-Info Verleih)
Seinen Titel verdankt Rafi Pitts' Film dem atemberaubenden Vexierspiel,
das er betreibt: Ali zog in seiner Freizeit gern mit dem Gewehr
durch die Wälder. Nachdem er seine Familie verloren hat, legt
er sich mit der Waffe am Stadtring auf die Lauer. Zwei Polizisten
tötet er, und dann wird der Jäger Ali gejagt von zwei
Jägern, die wiederum einander jagen. Sein Drama eines totalen
Gefangenseins in den Verhältnissen erzählt Pitts fast
lakonisch. "ZEIT DES ZORNS" ist die Anatomie einer Rache
ebenso wie ein Porträt des Iran. Es ist ein großartiger
Film. (Berliner Zeitung)
Demonstrationen und Polizeistaat Iran als Kinostoff? Das könnte
leicht zur plumpen Powerpoint-Präsentation mit politisch korrekter
Betroffenheitsbotschaft geraten. Doch weit gefehlt! Spannend wie
ein Thriller, fast Western, erzählt dieses mitreißende
Drama von den kafkaesken Zuständen im heutigen Teheran. Ein
Nachtwächter erfährt, dass Frau und Tochter durch Polizeikugeln
bei einer Demonstration erschossen wurden. Bei den Behörden
wird er gnadenlos zum Bittsteller degradiert. Ebenso gnadenlos nimmt
er Rache. Im Stil des italienischen Neorealismus entwirft Rafi Pitts
sein wütendes Bild des Iran und fordert vor allem gegenseitige
Toleranz jenseits von Schwarz-Weiß-Denken. Intensives Kino,
rasant erzählt, visuell überzeugend - und mit überraschendem
Finale. Schade, dass dieser Berlinale-Favorit bei den Bären
leer ausging. (Programmkino.de)
70 Prozent der heutigen Iraner waren noch nicht geboren, als sich
die Islamische Revolution 1979 ereignete. Sie haben nichts zu verlieren
und keine Angst vor einem radikalen Wechsel. Mein Protagonist hat
die damalige Revolution schon bewusst mitbekommen, und deshalb ist
er skeptisch gegenüber radikalen Umbrüchen. Er möchte
nur mit seiner Familie ein normales Leben führen. Sein Problem
ist: Die Gesellschaft lässt ihn nicht. Seine Frau, wie viele
Frauen im Iran, hat höhere Ansprüche an ihr Leben und
ist viel aktiver. Er wird erst aktiv, als er alles verliert. Ein
großer Teil der iranischen Bevölkerung ist wie eine Zeitbombe.
Die Autoritäten sollten nicht glauben, sie mit Brutalität
abspeisen zu können. Das ist auf Dauer unmöglich. (Regisseur
Rafi Pitts)
|