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USA 2008, 109 Min, engl. OV
FSK ab 12
Mickey Rourke, Evan Rachel Wood, Marisa Tomei, Mark Margolis, Todd
Barry
14.04. (Mi.) 20.00 Uhr
In Aronofskys Drama spielt Mickey Rourke den Wrestler Randy "The
Ram" Robinson, der seine besten Zeiten gesehen hat: Einsam
und allein wohnt er in einem Wohnwagen, schleppt sich unter der
Woche zum Supermarkt, wo er beim Abladen von Lastwagen hilft, und
am Wochenende kämpft er in zweitklassigen Wrestling-Matches
in Turnhallen. Die einzige Freundin, die er hat, ist die Stripperin
Cassidy - die jedoch Mühe hat in ihm mehr als einen zahlenden
Kunden zu sehen. Als er einen Herzinfarkt erleidet, will Randy sich
ändern: das Wrestling will er an den Nagel hängen, er
will eine anständige Arbeit finden und auch zu seiner Tochter,
die kaum mehr als Verachtung für ihn übrig hat, will er
endlich wieder den Kontakt finden. Der Weg zurück ins Leben
ist jedoch schwerer gedacht.
"THE WRESTLER" ist knallhart, kompromisslos und derart
ergreifend, dass man immer wieder den Blick abwendet, wenn Randy
bei drittklassigen Kämpfen mit Stacheldraht und Heftklammern
traktiert wird. Je kleiner der Ort, desto drastischer die Show.
Mitten im Film weist die Stripperin Cassidy Randy auf einen anderen
Film hin. Es ist "THE PASSION OF THE CHRIST" von Mel Gibson.
Dort werde Jesus gefoltert, gepeitscht und gedemütigt und ertrage
das alles ohne eine Miene zu verziehen. Durch diesen Vergleich wird
auch Randy zur Ikone des Erduldens in einem Kampf, der sich nicht
zwischen zwei Fronten entscheidet, sondern irgendwann einfach nur
beendet wird.
"Hier drinnen kann mich nichts verletzten" sagt Randy
am Ende eines langen mühevollen Wrestlerlebens, "die Wirklichkeit
draußen ist es, wovor ich Angst habe." In der Umkehrung
der Perspektive liegt die tiefe Einsicht, die "THE WRESTLER"
auszeichnet. (hr-online.de)
Der geschundene Körper übernimmt in "THE WRESTLER"
eine zentrale Funktion: Denn er belegt erst die Glaubwürdigkeit
des Helden. Es geht nicht darum, die müde gewordenen Muskeln
für eine letzte Konfrontation zu trimmen, um dann heroisch
gegen das Alter zu triumphieren - eine Erzählung, die Sylvester
Stallone, ein weiterer Veteran des Kinos der 80er-Jahre, in "Rocky
Balboa" (2006) aufbereitet hat. Aronofsky unterspielt solches
Pathos, indem er die Routinen von Randys alltäglicher Körperpflege
ausbreitet. Nicht der Trainingsraum, wo mit eisernem Willen der
innere Schweinehund besiegt werden muss, ist sein bevorzugter Übungsplatz,
sondern vergleichsweise unmännliches Terrain: Wir sehen, wie
sich der Wrestler beim Friseur die Strähnchen erneuern lässt;
wir begleiten ihn ins Solarium, wo er nicht gleich aus seinen Jeans
herauskommt; und wir sind Zeuge eines Deals im Umkleideraum, wo
es auf eine Sammelbestellung von Steroiden Rabatt gibt.
"THE WRESTLER" folgt keiner Rise-and-Fall-Geschichte,
sondern er läuft vielmehr auf eine Heilsgeschichte hinaus.
Es ist kein Zufall, dass die Striptease-Tänzerin Cassidy (Marisa
Tomei) Randy von Mel Gibsons "THE PASSION OF CHRIST" erzählt
und dabei vor allem die physischen Qualen hervorhebt, die Jesus
erleiden musste. "Tough dude", lautet die Reaktion des
Wrestlers, der wenig später auf der Bühne mit einem Herzinfarkt
zusammenbricht, um sich dann seinen Sünden zu stellen. Und
das bedeutet nicht zuletzt, die eigene Körperlichkeit zu überwinden.
Randy ist gezwungen, in einen Alltag überzuwechseln, den er
aus seinem Leben längst ausgeschlossen hat. Aronofsky und Drehbuchautor
Robert S. Siegel setzen auf die eigentlich recht konventionelle
Geschichte einer Resozialisierung, und sie nehmen dabei durchaus
die eine oder andere billige Wendung in Kauf. Der abgehalfterte
Wrestler, der das Verhältnis zu seiner bitter enttäuschten
Tochter (Evan Rachel Wood) verbessern möchte - das könnte
leicht schiefgehen, würde Randys Suche nach Vergebung nicht
so verhalten inszeniert sein. Rourke stattet seinen Helden mit einer
Sanftmut aus, die seinen ungeschickten Schritten eine eigene Form
von Melancholie verleiht. Selbst die alte Geschichte vom Barmädchen
Cassidy mit dem guten Herzen, die auf die Avancen Randys eingeht,
ist man bereit zu tolerieren, weil sie innerhalb dieser Erlösungsgeschichte
durchaus stimmig erscheint. Außerdem ist sie symmetrisch angelegt:
Wie Randy arbeitet auch Cassidy in einer Profession, in der man
das eigene Fleisch ausstellt, und auch sie hat das beste Alter für
diesen Job schon ein wenig hinter sich. (die taz)
"Was bei RAGING BULL schauspielerische Methode für das
Guinness Book of Records war, das wurde bei THE WRESTLER unter Einsatz
des ganzen Lebens bewerkstelligt. Genau betrachtet, weiß man
nicht, was gespenstischer ist." (Michael Althen: CARGO)
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