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SIN NOMBRE Cary Fukunaga

MEX/USA 2009, 95 Min, dt. Fassung
FSK ab 16
D: Paulina Gaitan, Edgar Flores, Kristian Ferrer, Tenoch Huerta, Diana Garcia, Luis Fernando Peña

20. - 25.5. (Do - Di) 19.00, 21.00 Uhr
26.5. (Mi) 21.00 Uhr
27. - 31.5. (Do - Mo) 17.00, 21.00 Uhr
3. - 8.6. (Do-Di) 18.30 Uhr
4. + 5.6. (Fr + Sa) auch 22.00 Uhr
10. - 16.6. (Do - Mi) 21.30 Uhr
5. Woche:
17. - 23.6.
(Do-Mi) 21.00 Uhr
6. Woche:
24. - 29.6.
(Do-Di) 17.00 Uhr

Tapachula, Mexico. Gewalt bestimmt den Alltag der Gang Mara Salvatrucha, zu der auch Casper gehört, ein Teenager, der hinter einer rauhen Fassade seine Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe versteckt. Gnadenlos rekrutiert und initiiert er Jungs, wie den zwölfjährigen Smiley, für die Mara Salvatrucha - die Gang seines Bosses Lil Magoo.
Als Lil Magoo entdeckt, dass Casper unerlaubt eine Freundin außerhalb der Gang hat, wird ihm dies zum Verhängnis mit ungeahnten Folgen. Die Ereignisse überschlagen sich und Casper bleibt nur die Flucht.
Das Schicksal führt ihn mit Sayra zusammen, die mit ihrem Vater und Onkel ebenfalls die Reise auf dem Zug durch Mexico mit dem Ziel USA angetreten hat. Sayra spürt, dass Casper in Gefahr ist und hilft ihm bei der Flucht vor den Mara. So beginnt ein Abenteuer, das die beiden zusammenschweißt und eine zarte Liebe entstehen lässt, eine Liebe mit offenem Ende... (Hofer Filmtage)

SIN NOMBRE des Regiedebütanten Cary Fukunaga ist bestes lateinamerikanisches Kino der Gegenwart und führt gleich mehrere kritische Themen souverän zusammen, ohne dabei überfrachtet oder überkonstruiert zu wirken. Fukunaga verbindet zwei Handlungen, die - so scheint es im ersten Filmviertel - unterschiedlicher nicht sein könnten: auf der einen Seite die Flüchtlingsfrage durch den Sayra-Handlungsstrang, auf der anderen Seite die detailgetreue Schilderung der kriminellen Aktivität mexikanischer Straßengangs. Trotzdem finden in SIN NOMBRE diese zwei Themen Platz und ergänzen sich großartig: Flüchtlinge als Opfer solcher Gangs, die jedoch als Helfer für die Reise benötigt werden.
Diese Spannung trägt denn auch die erste Hälfte des Films, in der sich Szenen brutalster Gewalt mit poetischen Bildern der mexikanischen Landschaft abwechseln. Nie weiß der Zuschauer, wie die Protagonisten reagieren. Gerade Casper ist eine sehr ambivalente Figur, die ohne Zögern einen Menschen erschießt, aber auch eine sehr sensible Seite aufzeigt. Edgar Flores meistert diese schwierige Rolle mit Bravour, indem er Casper menschliche Züge verleiht und ihn trotz allem als Identifikationsfigur aufbaut.
Im zweiten Teil wechseln sich ruhige, stimmige Momente mit hektischen, toll inszenierten Gewaltausbrüchen ab. Fukunaga griff trotz des sehr mexikanischen Themas auf die Hollywood-Spielregeln der Filmgestaltung (und das Geld der Verleihfirma Universal) zurück, und so erstaunt es nicht, dass der Film mehr wie ein amerikanischer Film denn wie ein lateinamerikanischer daher kommt. Dies ist dem Film jedoch nicht vorzuwerfen, denn obwohl SIN NOMBRE von der Machart und der Thematik oft an die Werke Alejandro González Iñárritus (vor allem BABEL) erinnert, bleibt er doch in seiner drastischen Poesie ein Film für sich. Dies hat auch das "Sundance Film Festival" bemerkt und den Film mit zwei Preisen ausgezeichnet.
SIN NOMBRE ist ein realistisches, sehr hartes Flüchtlingsdrama, das gekonnt Spannung mit Gesellschaftskritik mischt und dies trotzdem nicht mit dem erhobenen Zeigefinger macht. Ein absolut sehenswertes Debüt eines Regisseurs, von dem man in Zukunft wohl noch einiges hören dürfte. (OutNow.ch)