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SHE, A CHINESE Regie: Guo Xiaolu

D: Huang Lu, Wei Yi Bo, Geoffrey Hutchings, Chris Ryman. Großbritannien/Deutschland/Frankreich 2009, 98 Min, FSK ab 12, dt. Fassung

25. - 31.03. (Do. - Mi.) 17.15, 21.30 Uhr


Mei (Huang Lu) ist eine Rebellin, ein chinesischer Dorfpunk. Das Leben in der Provinz ödet sie derartig an, dass sie sich mit den bescheuertsten Typen einlässt. Wenn sie ihre Mutter nicht gerade verheiraten will, stöpselt sie sich den iPod ins Ohr und lackiert sich die Zehennägel. Nach einer Vergewaltigung hat sie endgültig genug. Sie zieht in die Stadt, hat eine Affäre mit einem bald darauf getöteten Mafia-Schläger, fliegt mit dessen Geld nach London, wo sie einen alten einsamen Mann wegen seines Bankkontos heiratet, ist auch von diesem bald gelangweilt und landet schließlich bei einem Inder mit unangenehmen religiösen Einstellungen. Für eine intelligente junge Frau von heute hat sie einen exquisit schlechten Männergeschmack. Und wenn sie kein anderes Hobby findet, irrt sie vermutlich noch sehr lange und ähnlich glücklos durch die Welt. (film.fluter.de)

"She, a Chinese" erzählt von der Identitätssuche im Zeitalter der Globalisierung und vom Drang der jungen Chinesen, auszubrechen aus der Enge ihres riesigen Landes in eine unbegrenzte Welt. Der Film feierte 2009 seine Premiere auf dem Filmfestival von Locarno, wo er im internationalen Wettbewerb lief und den Goldenen Leoparden für den besten Film gewann. Danach folgte das Filmfest Hamburg mit der Auszeichnung für das beste Drehbuch, dem Montblanc-Drehbuchpreis 2009. Es folgten Einladungen zu mehr als 20 weiteren Festivals, darunter Toronto, Pusan, London, Sevilla und Rom.

Mei ist halb verfolgte Unschuld und halb verzogene Göre, eine Kombination, aus der man partout nicht schlau wird. Genau das scheint Guo Xiaolu mit ihrer elliptischen Erzählweise zu bezwecken: "She, A Chinese" ist eine klassische Entwicklungsgeschichte, in der entscheidende Momente mutwillig gestrichen sind. Nicht nur, wie Mei auf die Vergewaltigung reagiert, bleibt ein Geheimnis dieses Films. In ihm fehlt so viel, dass die Löcher wichtiger als der Käse werden. Das ist ungemein irritierend und unwiderstehlich zugleich. Und fragen Sie bitte nicht, was der verdächtig allegorisch klingende Titel bedeuten soll. (fr-online.de)

"She, a Chinese" hält sich nicht mit Erklärungen auf und fordert das Publikum ständig heraus, sich selbst zusammenzureimen, wo und warum Mei gerade irgendetwas macht und was sie sich dabei wohl denkt. Sie redet nicht viel, und wenn sie doch spricht, gibt sie sich gern als rücksichtslose Zicke. Nur ihr trauriger Blick lässt ahnen, was für ein Mensch wirklich dahinter stecken könnte.
Die Regisseurin bürdet ihrer Protagonistin auf, für eine ganze Generation stehen zu müssen - ein Prototyp, für all die jungen Menschen, die das Gefühl haben, der viel zitierte chinesische Fortschritt finde ohne sie statt. Mei ist mehr Projektionsfläche als individueller Charakter, der Film soll eher erhellen als berühren.
Dass daraus trotzdem fesselndes Kino geworden ist (nicht zu Unrecht gewann der Film auf dem Festival in Locarno im vergangenen Jahr den Goldenen Leoparden), liegt an einem guten Gespür für Tempo und Timing, einem schmissigen Soundtrack von Komponist und Produzent John Parish (The Eels, P.J. Harvey) und dem bösen Sinn für Humor, der immer mal wieder aus der Tristesse hervorblitzt. Ein einziges Bild reicht der Regisseurin, um zu zeigen, dass Meis Träume vom besseren Leben eben nur Träume sind: Im Pandakostüm steht Mei auf der Straße und wirbt für ein China-Restaurant. Willkommen, soll das heißen, das ist dein neues Leben. (www.spiegel.de)

Die Protagonisten in den Filmen und Romanen der Chinesin Xiaolu Guo suchen die Freiheit - und finden Einsamkeit und Verzweiflung, aber auch echte Gefühle. (www.umagazine.de)

"Ein Porträt von flirrender Modernität."(FAZ)
"Meisterhaft erzählt!" (Hamburger Abendblatt)
"Preisgekröntes Kunstkino!" (Vogue)