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Mit Niki de Saint Phalle, Jean Tinguely, Bernhard Luginbühl
DEU 1995, 95 Min, FSK ab 0
6.7. (Di) 20.00 Uhr
Das beeindruckend komponierte Porträt der französischen
Skulptur-Künstlerin Niki de Saint Phalle und ihres künstlerischen
Weg- und Lebensgefährten Jean Tinguely. Schamoni montiert zu
Klängen klassischer, avantgardistischer und jazziger Rhythmen
Archivmaterial und selbst gedrehte Aufnahmen und läßt
ohne erklärenden Kommentar seine Protagonisten reden und die
Bilder erzählen. Auf geradezu sinnliche Weise macht der Film
Lust auf Reisen zu den Schauplätzen der fantasievoll-poetischen
Kunstobjekte und zeigt gleichzeitig, wie man sich durch Intoleranz
gegenüber neuen und provokativen Kunstformen eines solchen
Vergnügens selbst berauben kann.
"Les Nanas au pouvoir!" (Alle Macht den Nanas) hatte
Niki de Saint Phalle schon im Jahr vor den Studentenunruhen 1968
für ihre üppigen, mit knalligen Popfarben bemalten und
grellbetonten Geschlechtsmerkmalen versehenen Frauenpuppen gefordert,
deren fröhliche, unbekümmerte Gefühlsbetontheit von
ihrem Bekenntnis zum Frausein, dem weiblichen Prinzip als Leben
gebende und erhaltende Kraft, zeugen.
Ihre Maxime, die Kunst farbiger und abwechslungsreicher, das Leben
heiterer zu gestalten, hat die 1930 in Neuilly-sur-Seine geborene
und in New York aufgewachsene Künstlerin jung erhalten. Wenn
die Kamera nicht gerade die welke Haut ihrer Hände streift,
meint man immer noch, jenes junge Mädchen zu sehen, das nach
seiner Rückkehr nach Frankreich 1950 begann, als eine der ersten
Frauen in die Männerdomäne "Kunst" einzudringen.
Als einziges weibliches Mitglied der kontroversen Gruppe "Nouveau
Realisme" um Yves Klein, Daniel Spoerri und Christo wurde sie
zu einer "Terroristin der Kunst", die mit ihren "Schießbildern"
einen (Kunst)Krieg ohne Opfer entfachte: Mit einem Karabiner schoß
sie auf unter einem Gipsrelief alltäglicher Objekte versteckten
Farbbeutel, dessen Inhalt sich dann über die Bildoberfläche
ergoß. Bei der Einwicklung dieser TIRS genannten Bilder arbeitete
sie erstmals mit dem Schweizer Jean Tinguely ("Ich baue Maschinen,
die zu nichts nutze sind") zusammen, mit dem sie dann eine
bis zu seinem Tode 1991 dauernde Lebens- und Arbeitsgemeinschaft
verband. Diese Künstler-"Ehe" bildet einen der Pfeiler
von Peter Schamonis von Hochachtung und Liebe geprägtem Portrait
einer außergewöhnlichen Frau und Künstlerin. Den
anderen Schwerpunkt setzt Niki de Saint Phalles Arbeit an dem 1978
begonnenen und erst kürzlich vollendeten Skulpturgarten in
der Toscana, zu dem sie durch Gaudis Park Güell und die 22
Hauptkarten des Tarotspiels inspiriert wurde. (film-dienst)
Eine Veranstaltung im Rahmen von KunstRaum Saarbrücken und
in Zusammenarbeit mit der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz.
Vor dem Film gibt Karen Straub, M. A., wissenschaftliche Mitarbeiterin
des Saarlandmuseums, eine kurze Einführung.
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