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MAZEL TOV


Thomas Bergmann, Mischa Popp

DEU 2009, 91 Min, OmU
FSK ab 6
Dokumentarfilm

29. + 30.04. (Do + Fr) 18.30, 20.30 Uhr
01. - 05.05. (Sa - Mi) 18.30, 20.30 Uhr

MAZEL TOV ist ein Film über Menschen, die die Welten gewechselt haben. Sie kommen aus Russland. Sie sind Juden. Sie erzählen ihre spannenden, anrührenden, lebendigen, unbekannten Geschichten. Als sich 1990 die Grenzen öffneten, machten sie sich auf den Weg. Junge und Alte, ganze Dörfer, halbe Städte. Hunderttausende wanderten aus - nach Westen, nach Israel, nach Deutschland. Ihre Religion und Kultur waren verboten in der UdSSR. Für kurze Zeit war Deutschland die am schnellsten wachsende Gemeinde weltweit. Der 9. Mai ist ein besonderer Tag für sie: der Tag der Befreiung, der Tag des Sieges. Da legen die Alten die Orden an und erzählen vom Kampf gegen Nazi-Deutschland. Die Jungen haben Tränen in den Augen und die Band spielt "Mazel Tov": Glückwunsch, dass Ihr gekämpft habt. Dass Ihr hier seid.

Die Geschichte der jüdischen Kämpfer in der Roten Armee ist eine unterdrückte Geschichte, unerhört und unglaublich zugleich. Die Alten im Film erzählen sie mit Würde, ohne Hass, mit Weisheit. Die Jungen sprechen von anderen Erfahrungen: von Verlust, Neuanfang und von der Suche nach Heimat, Identität, Wurzeln. Vom drei gespaltenen Lebensgefühl: russisch - jüdisch - deutsch. Und von der Neuentdeckung jüdischer Religion, Tradition, Kultur. "Erst in Deutschland", sagt ein junger Einwanderer, "habe ich gelernt, was es heißt, Jude zu sein."
MAZEL TOV, der in Frankfurt am Main spielt, ist ein Film der Stimmen und Erzählungen. Vom Leben, Kämpfen, Überleben. Vom Wechsel der Welten. Von Jungen und Alten. Von Juden, die nach Deutschland gekommen sind - und Deutsche werden. Sie bringen Leben in die jüdischen Gemeinden, in die Gemeinden der Überlebenden. Veränderung, neue Kraft. Und Leben in die deutsche Gesellschaft, die froh sein müsste über die Zuwanderung gut ausgebildeter und hoch motivierter Menschen. Ist sie es? (26. Kasseler Dokfest 2009)

Der 9. Mai ist der Tag der Befreiung. Der Tag an dem sie Nazideutschland besiegt haben . Die Veteranen der Roten Armee legen ihre Orden an und erzählen vom großen Vaterländischen Krieg, bei dem es für sie besonders um das Überleben ging. Sie sind russische Juden und wussten, wenn Hitler-Deutschland gewonnen hätte, gäbe es keine Juden mehr auf der Welt. Die Klezmerband spielt für sie "Mazel Tov", Glückwunsch.
Nach der Öffnung des Ostblocks kamen etwa 200 000 russische Juden allein nach Deutschland. Die Zahl der Mitglieder der deutschen jüdischen Gemeinden versechsfachte sich innerhalb von zwei Jahren. In der liberalen Frankfurter Gemeinde bewältigten die eingesessenen Mitglieder eine Integrationsarbeit, die ihresgleichen sucht.
"Die haben gedacht, sie kommen als Sieger in das Land der Besiegten, zu einem Volk, das sie befreit haben von den Nazis", sagt Dalia Moneta, die als Sozialarbeiterin der Gemeinde erste Ansprechpartnerin vieler der Immigranten gewesen ist. Erst nach einer Weile sei ihnen bewusst geworden, wie tief die Verstrickung des "normalen Volkes" mit den Nazis gewesen sei. Nach Deutschland trieb sie die wirtschaftliche Not und der verbreitete Antisemitismus.
"Die Veteranen hatten sich ganz intensiv auf die Gespräche vorbereitet", sagt Popp im Filmgespräch nach der Vorstellung. Auf das Thema seien sie beinahe zufällig gestoßen, sagt Bergmann. Und ergänzt: "Über jeden einzelnen hätten wir einen eigenen Film machen können", so reich an Erfahrungen sei das Leben der Menschen. Die Jungen, die sich in Deutschland neue Existenzen als Hoteliers, Lebensmittelhändler, Orchestermusiker oder Künstler aufgebaut haben, seien auf eine ungreifbare Art wie auf der Durchreise, auch wenn sie schon zwanzig Jahre in Frankfurt lebten. Sie erzählen mit Wehmut von ihren hohen Qualifikationen, die sie einst erworben hatten, die ihnen in Deutschland aber nichts mehr nutzten. (Lauterbacher Anzeiger)

"Sie kamen mit zwei Koffern. Aber ihr unsichtbares Gepäck sind ihre Geschichten. Diese Geschichten sind der Schatz unseres Films. Wir sind auf Schatzsuche gegangen." (Mischka Popp, Thomas Bergmann)