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FRA/ITA 1960
93 Min, FSK ab 16
B: Alain Robbe-Grillet, K: Sacha Vierny, D: Delphine Seyrig, Giorgio
Albertazzi, Sergio Pitoeff
28. + 29.6. (Mo + Di) 17.30 Uhr
Ein Mann, den das Drehbuch "X" nennt, geht durch die Säle
und Korridore eines prunkvollen Schlosses, das einem unbestimmbaren
Zweck dient. Höchstwahrscheinlich ist es ein Luxus-Hotel. Der
Mann sieht eine junge Frau, "A". X glaubt sich zu erinnern,
dass er vor einem Jahr hier mit dieser Frau ein Liebeserlebnis gehabt
hat und dass sie versprochen hat, nach einem Jahr endgültig
bei ihm zu bleiben. Die Frau widerspricht, erinnert sich nicht.
X insistiert. Aber da ist noch ein zweiter Mann, "M",
der die Frau für sich behalten möchte. Am Ende verlässt
die Frau mit X das Schloss und geht mit ihm in eine ungewisse Zukunft.
Nichts ist eindeutig in diesem Film. Man weiß nicht, ob X
sich richtig erinnert, ob er sich überhaupt erinnert oder vielleicht
nur ein Betrüger ist. Unklar ist auch die Rolle der Frau. Erinnert
sie sich wirklich nicht oder will sie sich nicht zu ihrer Erinnerung
bekennen? Und schließlich wird auch niemals deutlich, in welchem
Verhältnis M zu der Frau steht.
Genauso haben sich die Kritiker gestritten, ob der Inhalt des Films
ein reales Geschehen oder vielleicht nur eine Traumvision der Frau
ist. Resnais und Robbe-Grillet haben ausdrücklich alle Deutungsversuche
als möglich und gleichrangig bezeichnet; sie meinten, jeder
Besucher solle sich aus ihrem Film den Film machen, den er zu sehen
wünsche.
Diese Vieldeutigkeit ist Vor- und Nachteil des Films zugleich. Sie
verführt den Zuschauer gelegentlich zu Spekulationen, die seine
Aufmerksamkeit eher auf oberflächliche Details als auf das
Wesentliche lenken. Andererseits ist das Spiel mit Traum und Wirklichkeit,
die Einheit von Gegenwart und Vergangenheit, die stark an HIROSHIMA,
MON AMOUR erinnert, von hohem ästhetischem Reiz. Resnais hat
seinem Film unter Verzicht auf einschlägige Symbole eine Aura
des Unwirklichen gegeben. Er zeigt nicht verschwimmende Visionen;
er stimuliert die Ungewissheit des Zuschauers durch eine Folge von
streng stilisierten Bildern. Nicht das bemerkenswerteste, wohl aber
das bekannteste Beispiel für diese Stilisierung ist eine Szene
im Park, in der die Menschen seltsam arrangiert sind, wobei ihre
Schatten auf den weißen Boden aufgemalt wurden. (Reclams Filmführer)
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