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DEU 2008, 82 Min, FSK ab 12
29.7. - 4.8. (Do - Mi) 20.30 Uhr
Am 30.7. (Fr) 20.30 Uhr stellt Regisseur
Peter Rippl seinen Film persönlich vor.
"Schlechtsein ist gut", brüllt der Sänger auf
Russisch ins Mikrofon. Der Mann scheint zu wissen, wovon seine Texte
handeln. Meist betrunken, ungepflegt und schlampig, flucht er über
alles, was auch nur im Entferntesten nach Arbeit riecht. Trotzdem
zählt er zu den erfolgreichsten Underground-Musikern des modernen
Russlands. Sergei "Shnur" Shnurov, Kopf der Punkrock-Band
"Leningrad", ist ein Phänomen. Regisseur Peter Rippl
lässt sich von ihm in seiner kraftvollen Dokumentation faszinieren.
Der Film ist wie sein Thema: energiegeladen, wild und ruppig.
Die Band "Leningrad" (nicht zu verwechseln mit den "Leningrad
Cowboys") ist vielleicht das Verrückteste, was der russische
Underground im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends zu bieten
hatte. Mit ihrer Gossensprache begeisterte sie Junkies wie Intellektuelle,
Außenseiter wie Neureiche. Wegen der vielen Schimpfwörter
in ihren Texten wurde sie jedoch nur selten im Radio gespielt. Der
Bürgermeister von Moskau erteilte den 15 Musikern im Jahr 2003
sogar Auftrittsverbot in der Hauptstadt, weil ihre Texte die Öffentlichkeit
beleidigen würden. Im Westen ist "Leningrad" vor
allem durch die "Russendisko"-Veranstaltungen und CDs
des Schriftstellers Wladimir Kaminer bekannt.
Dokumentarfilmer Peter Rippl lernte die wilde Mischung aus Ska,
russischer Folklore und Bläsersätzen per Zufall im Jahr
2002 kennen. Er besuchte später eines der wenigen Konzerte
der Band in Deutschland und überzeugte "Shnur" von
der Idee, einen Film über die Musiker und ihrer Sicht auf das
heutige Russland zu machen. 2006 begleitete das Filmteam die Band
zwei Monate lang bei Konzerten in London und Russland.
Es ist die neugierige Haltung, die Rippls Dokumentation so lebendig
macht. Der Regisseur lässt sich mitreißen von dem Hunger
nach Leben, den Shnur in seiner charismatischen Bühnen-Performance
herausbrüllt. Zwar fragt er auch nach den Hintergründen,
die die Band so erfolgreich machten. Aber er gibt niemals vor, endgültige
Antworten gefunden zu haben.
Über weite Strecken ist LENINGRAD - DER MANN, DER SINGT daher
ein Musikfilm, der von dem vibrierenden Drive der Bläsersätze
ebenso lebt wie von der Melancholie eines "Unplugged"-Auftrittes,
in der der Sänger mit der Reibeisenstimme die Melancholie der
russischen Seele auslotet. Trotz der vielfältigen musikalischen
Einflüsse und der Wandlungsfähigkeit ihres Sounds wollen
die Mannen um "Shnur" keine glatten Profis sein. Sondern
authentische Proleten, die ihren Schmerz und ihre Lust ungefiltert
in Töne umsetzen. "Es gibt nichts Interessanteres als
den kleinen Mann", lautet das Credo der anarchischen Combo.
Sie verleiht einem Lebensgefühl Ausdruck, das die Widersprüche
des Turbokapitalismus ebenso reflektiert wie eine tiefer grundierte
Stimmungslage, die in Osteuropa viel besser verstanden wird als
anderswo. Warum "Leningrad" zur richtigen Zeit am richtigen
Ort war, ergründet der Film in Interviews mit Akteuren und
Beobachtern, die oft assoziationsreich zwischen die Passagen eines
Songs geschnitten werden. (kino-zeit.de)
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