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D: Claudia Cardinale, Salim Kechiouche, Antonin Stahly, Driss
Ramdi, Aly M'rabet, Ramla Ayari, Abir Bennani
FRA/BEL/TUN 2009, 93 Min, OmU
FSK ab 12
22. - 28.7. (Do - Mi) 19.00, 21.00 Uhr
Kurz nach dem Tod seines Vaters kehrt der attraktive Jungarchitekt
Malik (Antonin Stahly) in seine Heimat Tunesien zurück - und
in den Schoß seiner Mutter (Claudia Cardinale), die sich nichts
sehnlicher wünscht, als ihren Sohn endlich verheiratet und
mit Kindern gesegnet zu sehen. Für Malik ist es jedoch an der
Zeit, sich endlich abzunabeln und der Welt, insbesondere seiner
Familie, zu zeigen, dass er nun mal auf Männer steht.
Das Netz aus Lügen und Ausflüchten zerfällt endgültig,
als er sich nicht länger der Versuchungen des bildhübschen
Gärtners Bilal (Salim Kechiouche) erwehren kann. Gemeinsam
kämpfen sich die Liebenden durch ein Minenfeld familiären
Wahnsinns, kultureller Intoleranz und wahrer Gefühle, bis schließlich
alle Tabus niedergetrampelt sind und das Leben in seiner ganzen
Schönheit vor ihnen liegt.
Tunesische Herkunft und schwule Identität - unvereinbar, unaussprechlich,
schier unmöglich und bisher ein totgeschwiegenes Tabuthema,
das auf keine Filmrolle zu passen schien. Bisher, denn nachdem wir
Mehdi Dehbi in LA FOLLE HISTOIRE D'AMOUR DE SIMON ESKENAZY in den
Armen eines jüdischen Musikers über die Leinwand haben
tanzen sehen, kommt jetzt ein Film von einem gebürtigen Tunesier
in die Kinos, der eine Romanze zwischen zwei arabischen Männern
mit einer fast unverfrorenen Leichtigkeit angeht. Und das in einem
Land, in dem Homosexuelle noch immer strafrechtliche Sanktionen
zu befürchten haben.
Regisseur und Drehbuchautor Mehdi Ben Attia und sein Co-Autor Olivier
Laneurie legen den dramaturgischen Schwerpunkt auf den Bruch mit
gattungsspezifischen Konventionen und der Erwartungshaltung auf
Zuschauerseite. Die Gangart des Films fällt für ein Drama
überraschend beschwingt und leichtherzig aus. Passend dazu
leuchten die pastellenen Farben von innen heraus und die Kamera
scheint zu schweben, als Malik sich in Bilal verliebt.
Schwulsein wird erfreulicherweise nicht als auslösend für
eine Familientragödie benutzt und weder Malik und Bilal, noch
ihr lesbisches Pendant Siryne und Leila, sind in einer Opferrolle
gefangen. Die gesellschaftliche Tabuisierung/Stigmatisierung von
Homosexualität wird genau wie soziale Ungleichheit und Geschlechterhierarchien
durch banale Vorkommnisse in Alltagsbegebenheiten entlarvt. So kann
Ben Attia am besten einen kritisch-ironischen Blick auf die den
Status quo goutierende, saturierte Gesellschaftsschicht werfen.
(unnikath.com)
"Der erste tunesische Spielfilm, der das Thema Homosexualität
offen darstellt. Ein durch die Bank gut besetztes Ensemble, allen
voran "die Cardinale", sorgt für einen sympathischen
Gesamteindruck. Unglaublich optimistisch, mal wieder eine schöne
Utopie, pourquoi pas? Gelitten und gestorben wird im Kino bei gleichgeschlechtlicher
Thematik ja anderweitig immer noch genug." (Du & Ich)
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