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LA STRADA - DAS LIED DER STRASSE
Federico Fellini


D: Giulietta Masina, Anthony Quinn, Richard Basehart, Aldo Silvani, Marcella Rovere

ITA 1954, 102 Min
FSK ab 16

21.8. (Sa) 19.30 Uhr

Für 10000 Lire "kauft" der Schausteller Zampano die naiv törichte Gelsomina ihrer Mutter ab. Sie begleitet ihn auf seiner ziellosen Wanderschaft, kocht und wäscht für ihn und assistiert linkisch, wenn er in Dörfern und kleinen Städten als Kettensprenger auftritt. Zampano ist ein jähzorniger, verschlossener Mensch, für den Gelsomina nur Objekt ist. Ihre schüchternen Versuche, mit ihm wirklich zu sprechen, scheitern. Dann lernt sie bei einem kleinen Zirkus "Il Matto" kennen, der im glitzernden Engelskostüm auf dem Seil tanzt. Er spricht ein paar Worte mit ihr, und Gelsomina ist glücklich. Aber wenig später treffen "Il Matto" und Zampano aufeinander. Es kommt zum Streit, zu einer Schlägerei; Zampano tötet den Seiltänzer. Dann fährt er weiter und lässt Gelsomina, die ihm lästig geworden ist, zurück. Jahre später erfährt er aus einem beiläufigen Gespräch, dassGelsomina gestorben ist. Er betrinkt sich, schreit den Menschen ins Gesicht, dasser sie hasst, und geht ans Meer, wo ihn am Strand zum ersten Mal ein Gefühl der Einsamkeit überfällt. Zampano weint.

"LA STRADA ist eine Geschichte, die ich schon seit Jahren in mir trug, und ich kann sagen, dass sie geradezu ein Stück meiner selbst ist, weil dieser Film zutiefst mit meinen Gedanken und Überzeugungen verbunden ist. LA STRADA ist entstanden aus der Vorstellung von einem Mann und einer Frau, die äußerlich zusammen leben, aber in ihrem Innern durch astronomische Weiten voneinander getrennt sind." "Gewiß ist die Grundidee der Strada eine christliche Vorstellung: die Liebe - . . Und wenn François Mauriac von der Gnade als Element dieses Films gesprochen hat, so kann ich das nur dankbar unterschreiben" (Federico Fellini, zitiert nach: Reclams Filmführer)

LA STRADA, Fellinis berühmtes Meisterwerk, wurde zu einem Welterfolg und zu einem Klassiker der Filmkunst. Die Beziehung zwischen der naiven Gelsomina (Giulietta Masina) und dem kraftprotzenden Schausteller Zampano (Anthony Quinn) reduziert Fellini auf zwei Kernpunkte: die Ausbeutung der Frau durch den Mann, seine patriarchalische Verständnislosigkeit - ein nüchtern sozialkritischer Aspekt; und außerdem die Überzeugung, dass auch das unscheinbarste Leben einen Sinn hat, dass die Liebe etwas bewirken, einen Menschen ändern kann - dies die christliche Botschaft. Die darstellerischen Leistungen der Hauptdarsteller haben wesentlich zum Erfolg des Films beigetragen.
Fellini nennt LA STRADA sein persönlichstes Werk, "gerade ein Stück meiner selbst", Aragon meint, es wäre einer der schönsten Filme der Welt. Wie das Ambiente - Landstraßen, Dünen, Stadtperipherien - zugleich ganz real und doch bildgewordene Weisung von Ausgesetztheit ist, so ermöglicht LA STRADA differente Deutungsarten. Die Studie der Unterdrückung der Frau ist auch Parabel unaufhebbarer Einsamkeit, die Motorradfahrt durch Italien Passionsweg nach Golgatha: Vernichtung der Reinheit durch die Welt. Fellinis Erzählstil verschränkt virtuos Verismus und charismatisches Symbol zur dumpfen Reise ans Ende der Nacht und zu einem fernen Horizont der Hoffnung. Gelsominas Stationen der Demütigung sind Szenen eines unbewußten Opfergangs, ihr Tod lässt den unbewußten Peiniger erstmals die Sterne sehen.
"Wenn alle Filme der Welt vernichtet würden, und doch zehn zu retten waren, welche müßte man retten? Mindestens einer von Chaplin wäre dabei, der zweite wäre KINDER DES OLYMP.
In jedem Falle wäre unter diesen zehn Filmen LA STRADA. Das ist ganz und gar Poesie dieses Jahrhunderts. Straße und Stacheldraht, Zirkuszelt und schmutziger Schnee sind realistisch und Seelenlandschaft ... Alles Wirkliche ist wie ein Traum ... Was in KINDER DES OLYMP Barrault war, ist hier Giulietta Masina. Ich kenne keine vergleichbare Leistung im Film, die so herzbewegend wäre und so völlig unsentimental - so schamhaft und so stark. Anthony Quinn, Zampano und Kraftmensch, in den Ketten seiner dumpfen Brutalität, spielt die alte Geschichte vom guten Menschen, der den Tiermenschen erlöst. Die Ballade von der Heiligen der Hinterhöfe in wortloser Bilderschrift.
Er zählt ... zu den zehn oder vielleicht auch sieben besten, die je gedreht worden sind." (Süddeutsche Zeitung)