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JAGDZEIT - DEN WALFÄNGERN AUF DER SPUR Regie: Angela Grass

Dokumentarfilm
Deutschland 2009, 88 Min, FSK ab 6, OmU


20. - 23.03. (Sa. - Di.) 19.30 Uhr
25. - 31.03. (Do. - Mi.) 20.30 Uhr


Viele träumen davon, für ihre Ideale und für eine bessere Welt zu kämpfen. Aber nur wenige haben den Mut, es wirklich zu tun. Das Risiko ist hoch. Beziehung, Existenz, Gesundheit und sogar das Leben stehen auf dem Spiel. Und, dass der Kampf vergeblich sein könnte... An Bord des Greenpeace-Schiffes Esperanza machen sich 37 "Idealisten" auf eine lange und gefährliche Reise ans südliche Ende der Welt. Ihre Mission: sie wollen die japanische Walfangflotte daran hindern, über 1.000 der friedlichen Meeressäuger zu töten. (Verleihinfo)

Seit mehr als 20 Jahren ist der kommerzielle Walfang weltweit verboten. Trotzdem töten jedes Jahr japanische Walfänger rund 1.000 der friedlichen Meeressäuger - angeblich zu wissenschaftlichen Zwecken. Ein Großteil der Wale landet jedoch nicht im Labor, sondern in japanischen Restaurants.
Die Dokumentarfilmerin Angela Graas begleitet in der BR-Koproduktion eine Gruppe von 37 Greenpeace-Aktivisten, die sich an Bord der "Esperanza" auf den Weg in die Antarktis machen. Dort wollen sie die japanische Walfangflotte behindern - wenn es sein muss, indem sie sich mit Schlauchbooten als Schutzschild zwischen Wal und Harpune stellen.
2009 wurde "Jagdzeit" auf dem Dokumentarfilmfestival München mit dem Publikumspreis ausgezeichnet und erhielt den Sonderpreis der Jury des Filmfestivals für Natur- und Tierfilm NaturVision 2009.
Der Dokumentarfilm wurde jüngst von der Aktualität eingeholt: Am 8. Januar sank ein Boot der radikalen Tierschutzorganisation Sea Shepherd nach einem Zusammenstoß mit dem japanischen Walfangschiff "Shonan Maru 2" rund 2.500 Kilometer südlich der australischen Insel Tasmanien. Der High-Tech-Trimaran "Ady Gil" war zum selben Zweck in der Antarktis unterwegs wie zwei Jahre zuvor die "Esperanza". (BR Online)

Ideale gegen Geschäfte, Schlauchboote gegen Tanker, Greenpeace gegen Fischereiministerium. 900 Wale werden jedes Jahr von der japanischen Fangflotte in den Gewässern der Antarktis getötet. Auf den Schiffen steht zwar "Research", doch es ist ein offenes Geheimnis, dass das Walfleisch weitgehend unerforscht in den Sushibars landet. 37 Aktivisten machen sich mit dem Greenpeace-Schiff "Esperanza" auf die Suche nach den Walfängern. Ihr Ziel: mit Schlauchbooten wollen sie sich als menschliche Schutzschilde zwischen Wale und Harpunen wagen. Vor der spektakulären Aktion steht jedoch der Schiffsalltag: Seekrankheit, Versagensängste, Putzdienst, Heimweh ... Mit an Bord: Heath, der eigentlich auf einer Luxusyacht arbeitet, Irene, die Webeditorin, die beschlossen hat nur noch Sinnvolles zu tun, und Sakyo, der in seiner Heimat Japan als Landesverräter angefeindet wird. Werden sie die Walfänger in den Weiten des stürmischen Südpolarmeeres überhaupt finden? Und lohnt es sich wirklich, für eine bessere Welt, Beziehungen, Existenz, Gesundheit und vielleicht sogar das eigene Leben aufs Spiel zu setzen? (Dok.Fest.München)

Nach dem Auftakt, bei dem die japanische Walfang-Flotte vor ihrem Aufbruch ins Südpolarmeer gezeigt wird, wo die Schiffe - angeblich zu Forschungszwecken - ihre Jagd beginnen, wendet sich der Film ausschließlich den Kontrahenten zu und verharrt auch in dieser Perspektive: Gemeinsam mit 37 Besatzungsmitgliedern begibt sich die Filmemacherin in Australien an Bord des Greenpeace-Schiffes "Esperanza" und verfolgt das Leben an Bord während der quälenden Zeit des Wartens mit großer Sympathie und Neugier. Quasi im Vorübergehen entstehen so Porträts und Miniaturen der Besatzungsmitglieder, erhalten wir einen Einblick in ihr Denken und Fühlen und darüber, was sie dazu bewegt hat, an dieser Aktion teilzunehmen. Wir erfahren, wie belastend die lange Abwesenheit (neun Wochen wird diese Reise dauern) auf See sich auf die Beziehungen auswirken kann, hören von Ängsten, aber auch von ganz normalen Problemen des Zusammenlebens an Bord, was an Zwistigkeiten in WGs erinnert - wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, da menschelt es eben auch gehörig. Und nicht zuletzt sind da auch die Zweifel an dem Sinn von Aktionen wie diesen. Denn der Kampf um die Wale gleicht dem Wettlauf zwischen Hase und Igel, dem Kampf von David und Goliath.
Immer wenn die "Esperanza" einen Walfänger geortet hat und sich zu dessen Position begibt, hat dieser längst das Abschlachten wieder eingestellt. Und kaum sind die Greenpeace-Aktivisten wieder verschwunden, geht das Töten für den Profit in der Walschutzzone des Südpolarmeeres wieder weiter. Außerdem arbeiten die Japaner mit allen Tricks, zwingen die "Esperanza" zu aufwändigen Manövern und sinnlosen Kursen, um dafür zu sorgen, dass den Widersachern möglichst schnell der Sprit ausgeht - ein Kalkül, das am Ende der Reise leider aufgeht. Während die "Esperanza" nach neun Wochen in den Heimathafen zurückkehren muss, können die Walfänger nun ungestört ihrem Treiben nachgehen. Es ist zum Heulen.
Gerade weil der Film aber die Umweltaktivisten nicht als notorische Gutmenschen, als ökologische Superhelden idealisiert, sondern wir ihnen im Verlauf der Reise nahe gekommen sind, sie als Menschen wie du und ich kennengelernt haben, bewegt der Film etwas und wirft beinahe zwangsläufig die Frage auf, warum man selbst eigentlich nicht an solchen Aktionen teilnimmt, warum man sich nicht mehr engagiert - sei es bei Greenpeace oder anderswo. Die Frage muss jeder Zuschauer für sich selbst beantworten. (kino-zeit.de)
"'Jagdzeit' weckt die Sehnsucht, an Bord zu gehen und selbst für das Gute auf der Welt zu kämpfen." (BAYERN 3)
"Graas' abendfüllendem Dokumentarfilm gelingt es, einen emotional aufgeladenen Spannungsbogen aufzubauen, der den Zuschauer insbesondere in der zweiten Filmhälfte nicht loslässt." (Kino Kino)
Sonderpreis der Jury, Naturvision 2009
Publikumsfavorit Dok.Fest.München 2009