Haiti
in den späten 70-er Jahren, Sonne, Meer und Sex. Das verheißt für
die drei Nordamerikanerinnen Ellen (Charlotte Rampling), Brenda (Karen Young)
und Sue (Louise Portal), die die vierzig bereits überschritten haben, ein
abwechslungsreiches Intermezzo. Einsam und vernachlässigt von den Männern
in ihrer Heimat können sie auf Haiti für ein paar Wochen ihre sexuellen
Sehnsüchte ohne Scham ausleben. Und zwar durch die Dienste einiger gutaussehender
einheimischer, junger Männer, die den Frauen für ein paar Dollar wieder
das Gefühl geben, schön und begehrenswert zu sein. Doch die Harmonie
im Garten Eden beginnt zu bröckeln, als sich zwei Frauen in denselben Mann,
Legba (Ménothy Cesar) verlieben... Der dritte im Bunde der Favoriten
ist "Vers le Sud", der neue Film von Laurent Cantet. Der Titel meint
keinen konkreten Ort, in diesem Fall den Schauplatz Haiti, sondern die Idee des
Südens, die das Kino wie die Literatur in Frankreich in letzter Zeit wieder
stärker fasziniert: Strand, Hitze, das Exotische. Schon wenn sich die Schriftsteller
des 19. Jahrhunderts auf Orientreise begaben, suchten sie im Schatten der Pyramiden
auch dunkelhäutige Knaben und Frauen. Heute heißt das schlicht Sextourismus.
Mit Moralismen ist man da schnell zur Hand, Cantet macht es sich schwerer. Die
Sextouristen sind nämlich Frauen, die sich in Haiti das holen, was sie daheim
nicht bekommen. Es gibt keine unschuldigen Verhältnisse, Ausbeutung herrscht
auch unter den Haitianern. Treffend zeigt Cantet den Machismo der sogar unter
Frauen verbreitet ist, die subtilen Hierarchien, die die Ordnung des Urlauberlebens
bestimmen. Wir verändern uns, wenn wir hier sind, sagt eine der Frauen. Mit
seinen einfachen klaren Bildern, seinem Erzählen ohne große Mätzchen
und einer gewohnt glänzenden Charlotte Rampling in der Hauptrolle katapultierte
sich "Vers le Sud" in die Reihe der Favoriten eines Wettbewerbs der
viele gute Filme zeigte. (R. Suchsland, Münchner Merkur) FSK ab 16 |