Zum 100. Geburtstag von Wolfgang
Staudte: Ein Gesangsverein deutscher Kleinbürger gerät während
einer Urlaubsreise in einer abgelegenen Gegend Jugoslawiens in ein Dorf, dessen
Männer von deutschen Truppen im Zuge einer Vergeltungsaktion im Zweiten Weltkrieg
erschossen wurden. Die kurzbehosten sanges-freudigen Spießer geraten angesichts
der Verachtung und des Hasses der Frauen in die Bahnen alter Soldatentugenden
und beschwören einen Konflikt, der ansatzweise durch die Jugend in beiden
Lagern, die kein Verständnis für die Präpotenz eines "Herrenvolkes"
aufbringt, einen versöhnlichen Akzent findet. Pendelnd zwischen politischer
Satire und Schicksalstragödie, ist der hervorragend gespielte Film ein bemerkenswerter
Beitrag zur unbewältigten Vergangenheit beider Völker. Nicht minder
interessant ist der Blick auf die damalige Rezeptionsgeschichte des Films, der
als "üble Nestbeschmutzung" diffamiert wurde und die Kino-Karriere
Staudtes als engagierter Gesellschaftskritiker beendete. Wolfgang Staudte hatte
schon mit "Die Mörder sind unter uns", "Der Untertan"
oder "Kirmes" be-wiesen, dass es ihm als Filmschaffenden nicht so sehr
um die Wörthersee-Gefühle oder den künstlichen Edgar Wallace-Nebel
aus Berlin-Spandau ging, sondern mehr um das Land, seine Bewohner und deren unglaublich
schnelles Abrücken und Vergessen von gerade Vergange-nem. Und so bekam denn
auch Staudte als er und der mutige Kleinverleih "Schorcht" im Frühjahr
1964 mit dieser westdeutsch-jugoslawischen Co-Produktion an die Öffentlichkeit
traten, fürchterlich Schelte. Die Branche ordnete den Film wegen "übler
Nestbeschmutzung" in die Kategorie "unspielbar" ein und gab dieses
Kommando sogleich an ihre Spielstätten weiter, während die Hofkritik
willig folgte und diese ,schmutzige Vergangenheitsbewältigung völlig
ignorierte. . . (Hans Ulrich Pönack) FSK ab 16 |