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AUT/DEU 2009, 98 Min
FSK ab 12
D: Franziska Weisz, Andreas Lust, Walter Huber, Florian Wotruba
01. - 07.04. (Do - Mi) 17.00, 21.00 Uhr
08. - 14.04. (Do - Mi) 17.00 Uhr
DER RÄUBER erzählt die Geschichte eines vielseitig begabten
Mannes: Johann Rettenberger, erfolgreicher Marathonläufer und
Serienbankräuber. Nüchtern und präzise misst er Herzfrequenz,
Belastung, Ausdauer und Effektivität - bei Trainingsläufen
ebenso wie bei den Banküberfällen, von denen er, aberwitzig
maskiert und mit einer Pumpgun bewaffnet vor der Polizei flüchtet.
Er lebt unentdeckt mit seiner Freundin Erika in Wien, zieht immer
wieder aus, leidenschaftlich und gierig nach dem Trip, der Bewegung
und der Schönheit des Raubzugs, bis zu drei Mal an einem Tag.
Als er entdeckt wird, tragen ihn seine Beine vor einem gewaltigen
Polizeiaufmarsch davon. Einer wie er kann kein Ziel haben: Weiter,
immer weiter führt ihn seine Flucht.
Ende der 80er Jahre endete die Flucht eines Mannes, dem die Medien
den Namen Pumpgun-Ronnie gegeben hatten. Auf diesem spektakulären
Fall der österreichischen Kriminalgeschichte beruht das Buch
"Der Räuber" von Martin Prinz, das Benjamin Heisenberg,
nach seinem preisgekrönten Erstling SCHLÄFER, nun verfilmt
hat: Er portraitiert den Räuber als Hochleistungssportler seines
Fachs, als Endorphin-Junkie, als Liebenden und Freiheitssucher,
als eine Art Naturphänomen, getrieben von einer inneren Energie.
Ein Thriller mit philosophischen Zwischentönen über einen
rätselhaften Außenseiter, dessen Weg wir gebannt verfolgen.
Der Bankräuber als Figur war für mich immer schon sehr
faszinierend. Ganz jung habe ich einen kleinen Kurzfilm gedreht,
in dem es um einen Bankräuber kurz vor einem Überfall
geht. Da handelte es sich um einen Bankräuber, der seine Überfälle
mit dem Fahrrad machte. Diesen besonderen Aspekt fand ich damals
schon super: Bankraub als sportliche Herausforderung. Das führte
für mich vom typischen Kriminalfilm weg, wo meistens erstmal
lange geplant und dann kompliziert geraubt wird. Die Figur Rettenberger
hat mir dann auch in ihren Pathologien viel gesagt - ich sehe ihn
als eine Art Naturphänomen, getrieben von einer inneren Energie,
die ihn dazu bringt, Bankraub und Laufen zu einem Extrem zu treiben.
Andererseits hat er aber auch das Bedürfnis nach Leben, Liebe,
Berührung und Beziehung. Das widerspricht sich dramatisch,
und wird letztendlich tragisch. (Regisseur Benjamin Heisenberg)
Ein Einzelgänger und Außenseiter, der von einer geradezu
unheimlichen Energie getrieben wird, steht im Zentrum des Films.
Es geht ihm nicht um das erbeutete Geld, sondern um das selbstbestimmte
Handeln, sowohl beim Laufen wie bei seinen Überfällen.
Gesetze und Bindungen sind bloße Störungen in einem Kosmos
ständiger Bewegung. Es muss immer weiter gehen, denn Stillstand
bedeutet Tod. In seiner Reduktion und Konsequenz sprengt der Film
das Genre des Thrillers wie des Sportfilms. Gleichnishaft repräsentiert
"Der Räuber" eine Bewegungsenergie, die das Selbstverständnis
moderner Gesellschaften kennzeichnet. Der Marathon wird zu einem
Synonym für den "Lauf zu sich selbst". Zugleich führt
dieser Entwurf einer radikal selbstbestimmten Existenz in die Einsamkeit,
die keine Wege zum anderen mehr findet. Die Tragödie des Räubers
wird zur Mahnung an eine Gesellschaft, in der Energie und Bewegung
das ganze Leben zu beherrschen scheinen. (Die Jury Evangelischen
Filmarbeit: Film des Monats März 2010)
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