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ANOTHER GLORIOUS DAY


Karin Kaper

DEU 2009, 95 Min, OmU
FSK noch nicht vorgelegt

15.04. (Do) 20.00 Uhr (Veranstaltung mit Karin Kaper)
16. - 18.04. (Fr - So) 18.30 Uhr

Mit der Wiederaufnahme des 1963 uraufgeführten Stückes "The Brig" von Kenneth H. Brown setzt das Living Theatre aus New York ein Zeichen gegen jede Form gewalttätiger Machtausübung. Das unter die Haut gehende Drama über das brüllend unmenschliche Innenleben eines US-Marines-Gefängnisses hat nichts von seiner erschreckenden Aktualität eingebüßt. Die Europapremiere und die Aktion am 1. Mai auf dem Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg lassen den Film in eine beklemmend klaustrophobische Welt eintauchen.

Der Film leistet auch einen Beitrag zur aktuellen Diskussion um den Afghanistan-Einsatz und stellt drastisch den Sinn aller militärischen Logik in Frage.

Als "The Brig", das Aufsehen erregende Theaterstück des Living Theatre, im Jahre 1963 in New York uraufgeführt wurde, galt es gleichermaßen als zeitlos wie zeitspezifisch. Als Studie über strukturelle staatliche Gewalt und die damit verbundene körperliche Einschreibung von Macht gewann die verdichtete Erzählung über den Alltag in einem US-Marine-Gefängnis modellhaften Charakter. Inhaltlich war das Drama spürbar vom politischen Klima der beginnenden 1960er-Jahre geprägt, von den Rassenunruhen, der Kuba-Krise sowie den Protesten gegen den Vietnam-Krieg. Vor dem historischen Hintergrund stellte das von Kenneth H. Brown geschriebene autobiografische Drama - der ehemalige Marinesoldat hatte 1957 einen Monat lang in einem US-Marineinfanterie-Gefängnis in Japan verbracht - ein vehementes Antikriegs-Statement dar. Ein Akt des zivilen Ungehorsams, der so radikal war, dass das Theater in Greenwich Village wegen angeblicher Steuerschulden geschlossen wurde.
Mehr als 40 Jahre später kam es zu einer Wiederaufführung des zum "Klassiker" avancierten Stücks, mit dem das 1951 von Judith Malina und Julian Beck buchstäblich ins "Leben" gerufene Living Theatre seine antiautoritäre Programmatik begründet hatte. Im Frühjahr 2008 feierte "The Brig" in der Berliner Akademie der Künste Europapremiere - ein Ort, der in den 1960er-Jahren zu einer wichtigen Spielstätte der inzwischen "heimatlosen" Theatergruppe geworden war. Die Filmregisseure Karin Kaper und Dirk Szuszies haben mit "ANOTHER GLORIOUS DAY" eine Dokumentation über das Theaterstück gemacht, wobei der Film zum großen Teil aus der Theateraufzeichnung selbst besteht. Das Setting ist reduziert: Man sieht einen großen Käfig mit Stockbetten und beobachtet Aufseher und Soldaten bei ihren rituellen Unterdrückungs- bzw. Unterwerfungsszenarien. Die namenlosen Soldaten sind reine Befehlsempfänger. Sie werden nach Nummern benannt, gedrillt und bestraft und müssen willkürlichen Regeln folgen. So dürfen beispielsweise weiße Linien auf der Bühne nicht ohne Erlaubnis übertreten werden. (Film-dienst)

Ein spannendes Beispiel für die filmische Umsetzung eines Theaterstücks, ein faszinierender Dokumentarfilm. Es geht um Macht und Gewalt, um einen Zustand, der über das Gefängnis hinausweist und gesellschaftliche Strukturen offenbart, die auf solche Machtmechanismen aufbauen (Filmecho, Kay Hoffmann)

Ein hervorragend gedrehter Theaterfilm über politisch aufrüttelndes Theater. Eine Absage an Krieg und an alle Mechanismen, die ihn erzeugen ( Münchner Merkur)