|
D: Shahir Kabaha, Ibrahim Frege, Fouad Habash, Youssef Sahwani,
Ranin Karim, Eran Naim, Scandar Copti, Elias Sabah
K: Boaz Yehonatan Yaacov
Drama Israel/Deutschland 2009, Farbe, 120 Min., FSK ab 16, DF
11. - 16.03. (Do. - Di.) 18.00 Uhr
17.03. (Mi.) 17.30 Uhr
Woche vom 18.03. - 24.03.2010
Do - Di 21.15 Uhr
Nominiert für den Oscar© als Bester fremdsprachiger
Film 2010 !!!
Tel Aviv, Jaffa, Ajami. Hier ist das Babel der Gegenwart, das Leben
ein permanenter Ausnahmezustand. Seit langem Verfeindete leben hier
als Nachbarn auf engstem Raum. Omar, der sich in die junge Hadir
verliebt hat, wird in einen blutigen Streit mit einer mächtigen
arabischen Familien verwickelt und von ihrer grausamen Rache verfolgt.
Ihm bleibt nur die Flucht und dennoch kann er die Stadt und Hadir
nicht verlassen. Seine letzte Chance ist, das von einem islamischen
Richter festgesetzte - und dennoch unbezahlbare - Schuldgeld aufzutreiben.
Auch Omars Freund Malek braucht dringend Geld, denn seine Mutter
ist schwer krank. Um die Behandlung bezahlen zu können, arbeitet
er illegal in Israel. Das Leben Dandos, eines jüdischen Polizisten,
nimmt eine tragische Wendung, als sein Bruder spurlos verschwindet.
Zutiefst überzeugt, dass er Arabern in die Hände gefallen
sein muss, schwört Dando Rache. Während er das Schicksal
seines Bruders aufzuklären versucht, bietet sich Malek und
Omar ein viel versprechendes Geschäft mit zwielichtigen Drogenhändlern.
Doch die Ereignisse geraten außer Kontrolle. Mit erbarmungsloser
Konsequenz werden Omar, Malek und Dando in einen hochspannenden
Krimi verwickelt, der alles verändern wird.
Nur selten erlebt das Kino eine so intensive Erzählung von
der unauflöslichen Spirale aus Schuld, Rache und Gewalt. Zwischen
Drogenhändlern, mächtigen Rache-Kommandos und heimlichen
Liebespaaren erzählt "Ajami" eine kraftvolle menschliche
Tragödie. In einer kunstvollen Montage zwischen Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft gelingt dem jüdisch-arabischen Regie-Duo
Scandar Copti und Yaron Shani ein überwältigendes Meisterwerk
mit so herzzerreißenden wie schockierenden Einsichten in die
Tragik menschlicher Existenz. (Neue Visionen)
Ajami ist eher ein Dampfdrucktopf als ein multikultureller Schmelztiegel:
In dem armen, vornehmlich arabischen Viertel in Tel Aviv-Jaffa leben
Muslime, Christen und Juden eng beieinander. Ausbrüche von
Gewalt gehören hier zum Alltag.
Ajami ist ein Film direkt aus dem Inneren dieses komplexen Organismus,
in dem die Leute doch eigentlich nur ihren Alltag leben wollen,
aber gleichzeitig ums Überleben kämpfen. TV-Berichte über
Anschläge und Morde werden kaum mehr als ein alltägliches
Hintergrundrauschen wahrgenommen, solange es einen nicht unmittelbar
betrifft.
Das gemeinsame Spielfilmdebüt von Yaron Shani (einem israelischen
Juden) und Scandar Copti (einem palästinensischen Christen
aus Jaffa) erzählt von Menschen, deren Schicksale in den unmittelbaren
Sog der Gewalt geraten.
Ajami ist ein kaleidoskopartiger Blick in einen brisanten Mikrokosmos
des Nahen Ostens. In ihrem ebenso kraftvollen wie mutigen Film geht
es den Regisseuren nicht um große Politik oder die Frage nach
Täter oder Opfer, es gibt keine Wertungen oder Schuldzuweisungen.
Die Realität des Alltags ist kompliziert genug. Die Form des
Films trägt dem konsequent Rechnung: In fünf Kapiteln
fächert der Film ein komplexes Mosaik auf, von Menschen und
ihren Motivationen, vom alltäglichen Leben und Sterben in Israel.
Die in Chronologie und Blickwinkel zersplitterte Narration (wie
sie z.B. auch Alejandro Gonzalez Iñárritu in seinen
Filmen Amores Perros, Babel, 21 Gramm zelebriert, oder Paul Haggis
in L.A. Crash) wirkt hier nicht als Kunstgriff, sondern erscheint
die einzig angemessene Form zu sein, der Unübersichtlichkeit
der Situation mit ihren Implikationen, Interpretationsverlusten
und auch tragischen Zufällen gerecht zu werden.
Letztendlich geht den Regisseuren um ihre Figuren, die Menschen
und ihre Schicksale. Die beiden haben nicht einfach einen Film über,
sondern ein Projekt mit den Menschen von Ajami gemacht. Alle Schauspieler
in Ajami sind Laiendarsteller, die sich in einem zehnmonatigen Workshop
mit den Regisseuren durch Rollenspiele und Improvisationen auf ihre
Rollen vorbereitet haben. Es sind Menschen, die nie zuvor vor einer
Kamera standen, wohl aber direkt aus der Lebenswirklichkeit kommen,
von der der Film erzählt. Die durchweg sehr eindrucksvoll agierenden
Darsteller erhielten weder ein komplettes Drehbuch und noch festgelegte
Dialogzeilen, sondern nur einen Abriss über das unmittelbare
Umfeld ihrer jeweiligen Rolle. Manche Szenen (wie das Clan-Meeting)
sind sogar eher dokumentarisch gedreht als inszeniert. Durch die
so geforderte Spontaneität entsteht auf der Leinwand eine Unmittelbarkeit,
die auch durch den Einsatz der Handkamera verstärkt wird. Dabei
wirkt die Bildgestaltung unaufdringlich und organisch, die Kamera
erscheint niemals als Eindringling. Und doch hat man als Zuschauer
das Gefühl, ganz einzutauchen in diese fremde Welt mit ihrem
Sprachwirrwarr aus Arabisch und Hebräisch, das die Menschen
in ihrem Alltag zugleich vereint und trennt. In den Untertiteln
des Films wird deshalb mit angegeben, in welcher Sprache gerade
gesprochen wird.
Der (
) Film wurde schon mit fünf Ophir Awards (dem höchsten
israelischen Filmpreis) ausgezeichnet, jetzt geht er für Israel
ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.
(kino-zeit.de)
|