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Sven Rechs Ophüls-Tagebuch
In seinen "Nachtnotizen" hat SR-Reporter Sven Rech wieder
mit spitzer Feder festgehalten, was sich so im Herzen und am Rande
des Festivals an Kommentarwürdigem ereignet hat....
Sonntag, 29. Januar: Drei Wünsche zum guten Schluss
Nun ist sie wieder vorbei, die Woche, in der jedes Jahr unter uns
Filmfreunden der Ausnahmezustand herrscht. Man tritt hinaus auf
die Straße wie nach einer langen Reise und wundert sich, das
alles noch so ist wie früher, damals vor diesen 5 langen
Tagen. Nur beim Festival hat sich manches verändert.
Neu ist zum Beispiel, daß die Chefin des Festivals bei der
Preisverleihung noch im Vollbesitz ihrer Stimme ist. Bisher hat
noch jedes Ophüls-Festival seinen Leiter am Ende vor Überwältigung
verstummen lassen. Denn das stellte das ein oder andere Filmteam
wieder eindrucksvoll unter Beweis - der gemeine deutsche Nachwuchsregisseur
benötigt gerne mal die ganze Nacht und 30 Bierchen, um sein
Machwerk filmtheoretisch fundiert darzustellen. Birgit Johnson hat
sich aus diesen Diskussionen offenbar klug herausgehalten und ihre
Stimme erst wieder bei der Preisverleihung erhoben.
Eine weitere Neuerung ist, daß die Preisträger von ihrem
Glück tatsächlich erst am Sonntagmorgen erfahren. Im letzten
Jahr gratulierten vereinzelte Jury-Mitglieder vereinzelten Schauspielerinnen
ja schon am Abend zuvor auf der Filmparty zu ihren Auszeichnungen.
Solches wurde in diesem Jahr schlau dadurch unterbunden, daß
man die Musik bei dieser Veranstaltung einfach so laut aufdrehte,
dass kein menschliches Wort mehr zwischen den Filmbegeisterten gewechselt
werden konnte. Und da der Stummfilm in den letzten Jahren ein wenig
aus der Mode gekommen ist, beherrscht heutzutage kaum einer mehr
den Zeichencode der Körper- und Gebärdensprache so gut,
dass eindeutige Botschaften nicht-sexuellen Inhalts noch übermittelt
werden könnten.
Schade denn so konnte man sich mit den vielen interessanten
Leuten, die das Festival wie jedes Jahr nach Saarbrücken gespült
hat, nicht, aber auch gar nicht unterhalten. Jedenfalls nicht über
Filme.
Ansonsten aber blieb alles beim alten. Wie in jedem Jahr hat die
Jury am Ende die falschen Filme prämiert, wie in jeden Jahr
konnte man sich zwischen den Filmen in der selbsternannten Hauptstadt
des guten Essens nur von Fast-Food ernähren, und wieder einmal
ist der Ophüls-Trailer also das filmische Erkennungssignal
des Festivals um ein paar Gigabyte komplizierter und um ein
Gähnen belangloser geworden als der Vorige.
Wie in jedem Jahr mussten Filmvorführer vor Filmregisseuren
in Sicherheit gebracht werden, weil sie angeblich das Meisterwerk
zu grün, zu blau, zu groß, zu klein oder einmal auch
gleich gar nicht projiziert hatten und wie immer waren die Kinos
zu klein für den stetig steigenden Besucherstrom, und wie immer
hat das unerschütterliche Festivalteam es dann doch geschafft,
sie alle hineinzubringen.
Und darum seien hier nur drei Wünsche für das nächste
Jahr ausgesprochen: dass die Jury den richtigen Film prämiert,
dass das Festival ein eigenes Restaurant aufmacht und dass die hinreißende
Christiane Paul Dauerehrengast wird, bis daß der Tod uns scheidet.
Mindestens.
Ihr Sven Rech
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