SAARBRÜCKER
ZEITUNG vom 16.08.2002 Der
Mann, der die Frauen filmte Das Saarbrücker Filmhaus würdigt
den Regisseur Franz Hofer und vergibt heute erstmals den "Filmhaus-Award"
Lange war er vergessen: Erst seit ein paar Jahren erinnert man sich wieder
an den Filmregisseur Franz Hofer. .Erst kürzlich kam heraus: Der ernst gefeierte
Stummfilm-Künstler stammt aus Saarbrücken. Franz Hofer war zwischen
1913 und 1918 einer der erfolgreichsten und berühmtesten deutschen Filmregisseure.
Danach geriet er völlig in Vergessenheit. Erst als zufällig bekannt
wurde, dass er aus Saarbrücken stammt und mit richtigem Namen Franz Wüstenhöfer
hieß, kam die Forschung in Gang. Andrea Dittgen aus Saarbrücken
entdeckte Hofers Geburtsurkunde. Hofer wurde am 31. August 1882 in der Breiten
Straße im damals selbstständigen Malstatt geboren und konnte sein Leben
bis 1899, als er sich als "Studiosus" nach Sachsen abmeldete, rekonstruieren.
Dann gibt es erst wieder Lebenszeugnisse von Ihm, als er jetzt schon als Franz
Hofer - 1910 in Berlin als Theaterregisseur auftaucht. 1913 kommt er zum Kino.
Und schon bei seinem ersten Film wird mit seinem Namen geworben. In den
nächsten Jahren berichten Fachzeitschriften immer wieder über den Regisseur
Franz Hofer, es erscheinen Geschichten etwa über seine Heirat mit der Schauspielerin
Dorrit Weixler. Franz Hofers Filme treffen den Geschmack der Zeit, er dreht Melodramen
("Des Alters erste Spuren"), Krimis ("Die schwarze Natter"),
Komödien ("Fräulein Piccolo"). Und jeder Streifen der
"Franz-Hofer-Serie" ,wird zum Hit. Die Wiederentdeckung Franz Hofers
um 1990 verlief seltsamerweise unter feministischen Vorzeichen; die Frankfurter
Professorin Heide Schlüpmann nahm sich Hofers an. Tatsächlich sind auch
häufig Frauen Hauptfiguren in seinen Filmen. Gleich sein erstes Werk "Des
Alters erste Spuren" behandelte das Drama einer Frau, die, als erste Falten
auftauchen, ihre Stellung als Geliebte eines reichen Mannes verliert. In den Komödien
wie "Das rosa Pantöffelchen" ist es immer wieder eine junge Frau
(häufig Hofers spätere Ehefrau Dorrit Weixler), die verstaubte wilhelminische
Strukturen durcheinanderwirbelt. Aber ob Franz Hofer wirklich ein pro-feministischer
Filmregisseur war, lässt sich angesichts der schlechten Überlieferung
(von seinen 98 Filmen sind nur 16 mehr oder weniger vollständig erhalten)
kaum sagen. Schlüpmann hat auch festgestellt, dass das frühe Kino sich
generell eher an ein weibliches Publikum wendete. Was heute aber an Hofers Filmen
fasziniert, ist die Lebendigkeit der Inszenierung. 1913 war es gerade ein paar
Jahre her, dass so etwas wie die Großaufnahme "erfunden" worden
war; viele Filme der frühen Jahre bestehen aus statischen Einstellungen.
Hofers Kamera war schon sehr beweglich. In "Die schwarze Natter" gibt
es eine rasante Verfolgungsjagd über mehrere Dächer, die mit ungewöhnlichen
Kameraperspektiven aufwartet. In "Hurra, Einquartierung", einer Militärkomödie
von 1913, arbeitete Hofer sogar mit raffinierten Doppelbelichtungen, ein Jahr,
bevor Paul Wegener seine berühmte Doppelrolle im "Student von Prag"
drehte. Bis 1918 konnte sich Franz Hofer auf dem Markt behaupten, Dann aber verpasste
er den Anschluss an den Expressionismus des "Dr. Caligari". Und gegen
die Großproduktionen der Ufa ("Die Nibelungen") konnte der unabhängige
Produzent Franz Hofer nicht ankommen. Doch er war auch thematisch nicht mehr auf
der Höhe. Einer der wenigen erhaltenen Filme aus den 20er Jahren ("Die
Glocke. Das verlorene Elternhaus" von 1923) erzählt praktisch die gleiche
Geschichte wie "Weihnachtsglocken 1914" (Kriegsheimkehrer findet sich
nur mühsam in die Nachkrieggesellschaft ein) und ist weit entfernt vom Tempo
der Weimarer Republik. Hofers Kamera war wieder statisch geworden, im ganzen Film
gibt es nur eine Einstellung in der sich die Kamera bewegt. Mit dem Beginn des
Tonfilms 1930 war Hofers Filmkarriere zu Ende. Er drehte noch einen Kriegsfilm
("Drei Kaiserjäger"), selbst sein Eintritt in die Reichsfilmkammer
brachte ihm keinen Regie-Job mehr ein. So viel man weiß, schrieb er wieder
fürs Theater. Erst vor drei Jahren fand der Münchner Filmhistoriker
Herbert Birett heraus, dass Hofer am 5, Mai 1945 in Berlin starb. (PETER HORNUNG)
Eine Gala für Franz Hofer und der neue "Filmhaus-Award"
Heute, 16. August, erinnert das Saarbrücker Stadtkino im Filmhaus mit
einer Gala an Franz Hofer. Es laufen seine Filme "Fräulein Piccolo"
und "Die Glocke". Außerdem wird bei der Veranstaltung der erstmals
vergebene "Filmhaus-Award " vergeben. Mit diesem Preis wird ein Film
ausgezeichnet, der im letzten Jahr im Filmhaus gelaufen ist, aber in der Öffentlichkeit
nicht die verdiente Beachtung gefunden hat. Ausgewählt wurde der Film von
der Auswahljury des letzten Max-Ophüls-Preises (Filmjournalistin Andrea Dittgen,
Kameramann Klaus Peter Weber und "SZ"-Redakteur Tobias Kessler) zusammen
mit Filmhausleiter Albrecht Stuby. In den nächsten Jahren soll der Preis
allerdings von einer Jury vergeben werden, die aus den Abonnenten des Filmhauses
besteht. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert, die ein Sponsor (die Bitburger Brauerei)
zur Verfügung stellt. Den Preis überreicht der Saarbrücker Oberbürgermeister
Hajo Hoffmann, die Laudatio hält "SZ"-Redakteur Thomas Reinhardt.
Wer den Preis gewinnt bleibt bis zur Vergabe geheim. Die Veranstaltung beginnt
um 20 Uhr im Saarbrücker Filmhaus, Mainzer Straße. Film-Sohn
der Stadt Am 31. August wäre er 120 Jahre alt geworden: der
Stummfilm-Regisseur Franz Hofer, dazu einer der ersten Autorenfilmer des deutschen
Kinos. In Saarbrücken wurde er geboren, kam in Berlin zum Theater, von dort
zum Kino. Ab 1920 führte er seine eigene Produktionsfirma. Hofer drehte Krimis,
Komödien und Sozialdramen - mehr als 80 Werke, von denen nur 16 erhalten
sind. Ab den 30er- Jahren wandte er sich wieder dem Theater zu - sein letztes
Lebenszeichen stammt von 1944, von der Görlitzer Premiere seines Stücks
"Braut auf Abruf". Am Freitag ehrt das Saarbrücker Filmhaus
den Regisseur mit einer Gala: Hofers Filme "Die Glocke Tei1 2: Das verlorene
Elternhaus" (1922) und "Fräulein Piccolo" (1914/15) werden
gezeigt, vorgestellt von der Film-journalistin und Hofer- Expertin Andrea Dittgen.
Anschließend wird zum ersten Mal der "Filmhaus-Award" vergeben.
"SZ"- Filmredakteur Thomas Reinhardt stellt den Preisträger vor.
Die Schauspielerin Sabine von Maydell moderiert, die musikalische Umrahmung kommt
von Opernsänger Patrick Simper. Die Gala im "Filmhaus" (Mainzer
Straße 8) beginnt um 20.00 Uhr, - Oberbürgermeister Hajo Hoffmann wird
den Abend eröffnen. (SZ)
Franz-Hofer-Preis für Dokumentation von Regisseur Rolf Teigler
Für seine Gefängnis-Dokumentation "Outlaws" hat
der Berliner Filmregisseur Rolf Teigler den Franz Hofer Filmpreis 2002 erhalten.
Der mit 2500 Euro dotierte Preis erinnert an den Saarbrücker Stummfilmregisseur
Franz Hofer (1882-1945) und wurde nach Angaben des Saarbrücker "Filmhauses"
erstmals von Oberbürgermeister Hajo Hoffmann (SPD) verliehen. Die Jury lobte
Outlaws als "herausragende Leistung im jungen deutschen Film" .Vier
Wochen lang hatte Teigler Gefangene in einer Thüringer Jugendhaftanstalt
begleitet und dazu gebracht über ihr Milieu und ihre Tat zu reden. (Die Welt)
"Outlaws" gewinnt den Franz Hofer Preis Der
Regisseur Rolf Teigler wurde für seinen Dokumentarfilm "Outlaws"
vom Filmhaus Saarbrücken mit dem Franz Hofer Preis 2002 ausgezeichnet. Dieser
erstmals vergebene Preis würdigt eine herausragende Leistung im jungen deutschen
Film. Nach Meinung der Jury ist "die faszinierende Semi- Dokumentation über
die Dreharbeiten eines Films mit Gefängnisinsassen als Hauptdarsteller und
Drehbuchautoren auch eine Anerkennung für einen Film, der eine größere
Aufmerksamkeit verdient hat." "Outlaws" entstand in der Reihe
OSTWIND, der gemeinsamen Programmwerkstatt von ORB und ZDF/Das kleine Fernsehspiel
(Redaktion: Annedore v. Donop) und ist die erste Produktion der jungen Firma "der
garten Filmproduktion" mit Sitz in Berlin und Erfurt. Der Berliner Filmemacher
Rolf Teigler hat mit seinem Team in der Jugendstrafanstalt Ichtershausen bei Erfurt
gedreht, wo etwa 200 männliche Jugendliche im Alter zwischen 14 und 22 Jahren
ihre Haftstrafe abbüßen. Der Regisseur hat sich intensiv mit einer
Gruppe junger Straftäter beschäftigt, die alle wegen Eigentums- und
Körperverletzungsdelikten angeklagt wurden. "Outlaws" begleitet
diese jungen Gefangenen, die sich im ehemaligen Gefängniskino treffen, um
eine eigene Geschichte aufzuschreiben und daraus selber einen Kurzfilm zu machen.
(ZDF - Das kleine Fernsehspiel) Da staunte der OB
Albrecht Stuby liebt Überraschungen. Der Leiter des Amtes für
kommunale Filmarbeit der Landeshauptstadt hat ja bekanntlich den Max Ophüls
Preis gegründet und groß gezogen. Das ist Vergangenheit. Derzeit gestaltet
Stuby das Programm des Saarbrücker Filmhauses, hat dort mit dem Kino und
dem Schauplatz zwei schmucke Säle für die Filmkunst eingerichtet. Und
er organisiert den "Saarbrücker Kinosommer". In dieser Veranstaltungsreihe
stand jetzt die "Franz Hofer Gala" auf dem Programm, eine Veranstaltung
zu Ehren des am 31. August 1882 in Saarbrücken geborenen Stummfilm-Regisseurs
und Autors Franz Hofer. Stuby, der ja mit der Nachfolge für die Ophüls-Festivalleiterin
Christel Drawer nicht einverstanden war und ist (statt Boris Penth hatte er andere
Favoriten, wurde aber überstimmt), kündigte die Verleihung des "Filmhaus-
Award" an. Er zeigte zwei Filme von Franz Hofer, am Klavier begleitet von
Ulrich Rügner (Frankfurt), Patrick Simper, Opernsänger am Saarbrücker
Staatstheater, sorgte für musikalische Unterhaltung, die Journalistin Andrea
Dittgen führte kenntnisreich in das Werk von Hofer ein - eine richtig nette,
kleine Gala. Und dann wurde tatsächlich ein leuchtendes Neonherz verliehen
- wie bei Ophüls - nur violett statt blau. Und der "Filmhaus-Award"
wurde plötzlich zum "Franz Hofer Preis 2002", dotiert mit 2.500
Euro (gesponsert von der Bitburger Brauerei). Regisseur Rolf Teigler durfte ihn
für seinen Film "Outlaws" entgegen nehmen. All diese Überraschungen
zauberte Stuby aus dem Hut. Da staunten der Saarbrücker Oberbürger-meister
Hoffmann und auch Kulturdezernent Silkenbeumer, die, so wurde hinter vorgehaltener
Hand berichtet, von einem "Franz Hofer Preis" bis dato noch nichts gehört
hatten. (treff regional -red-) Franz Hofer Preis
für "OUTLAWS"
Neue Filmgala in Saarbrücken startete glänzend
von Bernd Alt Neben dem SaarLorLux Film-
und Videofestival ist vor allem das Filmfestival Max Ophüls Preis seit mehr
als zwei Jahrzehnten ein wichtiger kultureller Höhepunkt in der Landeshauptstadt
Saarbrücken. Immer im Januar ist dann im Filmhaus und den anderen Wettbewerbskinos
für eine Woche extremer Trubel angesagt. Dass sich aus den Erfahrungen
dieser Jahrzehnte noch mehr machen lässt, sagte sich wohl vor einiger Zeit
der Leiter des Saarbrücker Amtes für kommunale Filmarbeit Albrecht Stuby,
der schon in der Camera zu den Mitbegründern des Max Ophüls Preises
zählte. Wie er in seiner Rede während der Gala darstellte, sollten die
Kinobesucher des Filmhauses, das auch in diesem Jahr wieder deutlich steigende
Zuschauerzahlen vorweisen kann, einen Preisträgerfilm auswählen.
Im ersten Jahr war dies aus organisatorischen Gründen noch nicht zu machen,
also wurde eine Jury berufen, in der neben Stuby die Filmkritiker Dr. Andrea Dittgen
und Tobias Kessler, sowie der Kameramann Klaus Peter Weber saßen. Dieser
übernahm dann auch noch die Regie für die erste Franz Hofer Gala, so
dass schon zum Start eine " sehr schöne und gelungene Preisverleihung
stattfand, ein Zustand, der In dieser Form beim Max Ophüls Preis leider bisher
sehr oft nicht erreicht wurde. Durch den Abend führte im schön
dekorierten Filmhaus, auf charmante Weise die Schauspielerin Sabine von Maydell,
die erst kürzlich in Andy Bauschs Film "Le club de chomeurs" endlich
mal wieder auf der Leinwand zu sehen war. Nun stand sie vor der Leinwand und präsentierte
die beiden Stummfilme Die Glocke und Fräulein PICCOLO aus dem Werk Franz
Hofers, der in diesem Jahr 120 Jahre alt geworden wäre. Zur virtuosen Klavierbegleitung
von Ulrich Rügner konnte man die beiden Klassiker des ältesten der vier
in Saarbrücken geborenen Filmregisseure, Franz Hofer (1882- 1945), genießen.
Da mit Schwarze Erde im Koblenzer Bundesarchiv inzwischen ein weiterer Film
Hofers entdeckt wurde, kann man sich jetzt schon freuen, diesen nach der Rekonstruktion
bald im Filmhaus zu sehen. Mit Erfolg lief im Anschluss an die Preisverleihung
und an den folgenden Tagen der Siegerfilm des Franz Hofer Preises 2002 Rolf Teiglers
Outlaws. Da Outlaws ein Dokumentarfilm mit spielfilmähnlichem Charakter
ist, passt er in keine Schublade und fällt bei Filmfestivals oft In der Vorauswahl
schon durchs Raster, wird höchstens außerhalb des Wettbewerbs gezeigt,
dem wollte die Jury der Franz Hofer Preises abhelfen: "Rolf Teiglers faszinierende
Semi-Dokumentation über die Dreharbeiten eines Film mit Gefängnisinsassen
als Hauptdarsteller und Drehbuchautoren ist auch eine Anerkennung für
einen Film, der eine größere Aufmerksamkeit verdient hat."
Diese Aufmerksamkeit haben die Outlaws nun erhalten, so ist zu hoffen, dass neben
dem Preis der blauen Herzen im Januar nun auch jeden Sommer der Franz Hofer Preis
verliehen wird. Er ist herzförmig und aus Neon, wie sein Pendant, aber seine
Farbe ist nicht blau sondern magenta. Ein weiterer Vorteil des neuen Franz Hofer
Preises ist natürlich der Sommer, wo man sich nach der Preisverleihung noch
stundenlang im Innenhof des Filmhauses bestens unterhalten und vergnügen
konnte. Mit dazu bei trugen auch die neugewonnenen Sponsoren des Preises mit denen
man auch in Zukunft gut zusammenarbeiten wird. (t5) Keine
Zukunft für Franz Hofer Preis Der Saarbrücker Kulturausschuss
entschied zugunsten der Max Ophüls Auszeichnung
Saarbrücken: Wie geht es weiter mit dem Franz Hofer Preis? Diese
Frage diskutierte der Saarbrücker Kulturausschusses in seiner letzten Sitzung.
Im August wurde der mit 2500 Euro dotierte Preis für den jungen deutschen
Film erstmals im Rahmen eines Gala-Abends vom Filmhaus vergeben. Die SPD Fraktion
lobte die Verleihung des "Filmhaus Award", während die CDU den
Antrag stellte die Vergabe nicht weiter fortzusetzen. Der Franz Hofer Preis trete
in Konkurrenz zum Max Ophüls Preis und schade damit dem Ansehen des großen
Saarbrücker Kino-Festivals. Der Antrag wurde angenommen. (SZ)
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