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FILMJAHR 2003
Die innovativsten, aufregendsten und herausragendsten Filme des Jahres 2003. Nominierungen zum Filmhaus Award.

Top-Hit-Listen, Box-Offices-Mega-Filme und ähnliches gibt es viele. Meist angeführt von vermenschlichten Tieren, wie sprechenden Fischen und Löwen oder Special-Effect-Movies aus dem Computer! Mit diesen Filmen macht Hollywood seine Umsätze und dagegen lässt sich auch nichts sagen. Problematisch wird es, wenn die Medien diese Filme zum Event hochjubeln und - wie das im "Pisa-Land" nun mal so ist - die Massen gelenkt strömen. Infantitisierung der Gesellschaft. Ausnahmen wie "GOOD BYE LENIN" bestätigen nur die Regel.

Trotzdem kommen immer noch Filme in unsere Kinos, die sich von der Massenware wesentlich unterscheiden, innovativ und aufregend sind und das Medium Film hinterfragen und prägen. In der Regel zeigen wir im "Filmhaus" alle diese Filme in Erstaufführung. 12 davon möchten wir zu einer kleinen Reihe im Januar und Februar zusammenfassen um einen kompakten Überblick über die interessantesten Filme des vergangenen Jahres zu geben. So kann man evtl. Informationslücken schließen. Die Auswahl ist selbstverständlich subjektiv und auf eine Rangfolge wird von uns auch verzichtet. Die sollen die Zuschauer bestimmen. Mit Einwurf der Eintrittskarte nach der Vorstellung in eine Abstimmungsbox an der Kasse wird abgestimmt. Daneben können Sie auch direkt hier abstimmen (nur bis zum 12.02.04). Wir sind auf das Ergebnis sehr gespannt.

"GÖTTLICHE INTERVENTION" von Elia Suleiman ist ein palästinensischer Film, der zwar die völkerrechtswidrige Besetzung des Landes durch die israelische Armee zum Thema hat, aber die Situation mit Humor und Phantasie schildert. Grandios die Szene in der ein Luftballon mit dem Portrait von Jassir Arrafat über Jerusalem schwebt. Der Film wurde bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Grandios.

"IRREVERSIBEL" von Gaspar Noe war der umstrittenste Film der Filmfestspiele Cannes wegen seinen freizügigen und gewalttätigen Szenen. Der
Film erzählt seine Geschichte rückwärts und endet mit dem Beginn des irritierenden Geschehens. Gewöhnungsbedürftig, aber konsequent und innovativ. Der ungewöhnlichste Film diese Jahres.

"25 STUNDEN" ist Spike Lees bester Film seit längerem und mit Edgar Norton fulminant besetzt. Szenen aus dem Leben eines Dealers, kurz nach den Ereignissen des 11. Septembers 2002 in New York gedreht. Außergewöhnlich.

"HISTORIAS MINIMAS" von Carlos Sarin ist ein Road Movie aus Argentinien über die Träume einfacher Menschen, skurril und wunderbar subtil erzählt, mit Menschen und Problemen, die in Erinnerung bleiben.

In 5 kleinen Episoden erzählt der deutsche Regisseur Hans Christian Schmid in "LICHTER" von Schicksalen im Osten unseres Landes. Beeindruckend und für viele Kritiker der beste deutsche Film des Jahres. Ausgezeichnet bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin.

"WILBUR" von Lone Scherfig ist eine Alternativ-Komödie aus Dänemark über Loser und psychisch Angeknackste. Ein sympathischer Film, der sehr berührt
und völlig ohne sentimentale Anwandlungen ist.

"DIE MUTTER" von Roger Michel ist ein Film zum Thema Sex im Alter. Ungewöhnlich ist die Handlung. Eine Mutter versucht ihrer labilen Tochter den Liebhaber auszuspannen und geht dabei bis zum Äußersten. Was sich ziemlich rücksichtslos anhört, gestaltet Michel zu einer einfühlsamen, gelegentlich schockierenden Beobachtung.

"DEM HIMMEL SO FERN" von Todd Haynes wurde ausgezeichnet als bester Independent-Film in Amerika und zeichnet ein bedrückendes Bild der 50er Jahre in den USA. - Wunderbar.

"MEIN LEBEN OHNE MICH" von Isabel Coixet zeigt die letzten Tage einer jungen krebskranken Mutter, die sich noch einmal den Wunsch erfüllt, mit einem fremden Mann zu schlafen und für ihren Mann eine neue Lebenspartnerin sucht. Ein bewegender Appell, das Leben auszukosten und zu schätzen. (Lief bereits im Januar 2004)

"DOGVILLE" von Lars von Trier war das meistdiskutierte Ereignis der Filmfestspiele von Cannes und Nicole Kidmans bisher bester Film. Auf einer Brecht-Bühne mit aufgemalten Requisiten spielt sich ohne Längen die 177-minütige Handlung einer jungen Frau ab, die in einer Kleinstadt Schutz vor Gangstern sucht und von deren Bewohnern zur Sklavin gemacht wird. - Superb!

"HIERANKL" von Hans Sebastian Steinbichler wurde in München mit dem "Förderpreis Deutscher Film" ausgezeichnet. Ein dramatischer Heimatfilm über sexuelle Verwicklungen in einer Familie. Der Filmdienst urteilte: "HIERANKL hat das, was vielen deutschen Filmen fehlt - außergewöhnliche Kinoqualität".

"ABOUT SCHMIDT" von Alexander Payne ist ein "schlaues, stilles, bewegendes und immer wieder brillant komisches Roadmovie, hinter dem sich das Portrait eines pensionierten Spießers verbirgt". -(Blickpunkt Film). Jack Nicholson spielt den Versicherungsstatistiker mit phänomenaler Lust am darstellerischen Spiel.

Albrecht Stuby