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THE EYES OF MY MOTHER

Eines Tages kam dieser Mann ins Haus. Es war ein Tag, wie so viele: Der Vater unterwegs, Francisca und ihre Mutter alleine auf der Farm im Hinterland. Doch sollte dieser Tag alle darauffolgenden für immer in seinen Schatten stellen. Was an jenem Nachmittag über die junge Familie hereinbricht, ist ein unvorstellbarer Akt der Unmenschlichkeit. Genährt von brachialer Gewalt, entsteigt dem Chaos ein Monster aus Verzweiflung, Melancholie und unstillbarem Durst nach Blut.

THE EYES OF MY MOTHER
Jahr:
2016
Spielzeit:
76 min
Sprache des Films:
OmU
Land:
USA
FSK:

Seine Vorbilder hat der 1990 geborene Debütant, der zuvor erste filmische Erfahrungen als Regisseur von Musikvideos sammelte, in einem Gespräch mit kino-zeit benannt. Charles Laughtons DIE NACHT DES JÄGERS (1955) stand motivisch und formal ebenso Pate wie Alfred Hitchcocks PSYCHO (1960) und William Castles DIE ZWANGSJACKE (1964). Mit diesen dreien hat THE EYES OF MY MOTHER nicht nur bestechend schöne Schwarz-Weiß-Aufnahmen gemein, sondern auch ein faszinierendes Monster. Kika Magalhaes' Francisca kann es durchaus mit Robert Mitchums pyschopathischem Wanderprediger Harry Powell und Anthony Perkins' Frauenmörder Norman Bates aufnehmen, was vor allem daran liegt, dass Nicolas Pesce seine Hauptfigur zu keiner Zeit verurteilt und ihr genügend Geheimnisse lässt.

2016 ist nicht mehr 1964 oder 1955. Wo seine Vorbilder noch klar in Gut und Böse trennen, uns Identifikationsfiguren und eine lückenlose Aufklärung liefern mussten, lässt Pesce Leerstellen. Und wo andere Regisseure seiner Generation die Gewalt, das Aufbrechen der und das Eindringen in die Körper in Nahaufnahmen ins Bild rücken, zeigt der New Yorker nur das Ergebnis. Der Horror ensteht zwischen den Bildern, in unseren Köpfen. Es ist ein Horror der Isolation und der Begegnung mit dem Fremden und einer, der Familien und Religionen innewohnt.

In den perfekt kadrierten, kontrastreichen Einstellungen lauert das Dunkel stets im Hintergrund, verschluckt ein ums andere Mal beinahe die Figuren. So abscheulich Franciscas Taten auch sein mögen, können wir sie auch verstehen, folgen sie in ihrer irrationalen Logik doch lediglich einem Wunsch nach Geborgenheit. Das macht The Eyes of My Mother zu einem Gruselfilm ohne Monster oder zumindest zu einem, bei dem wir Mitgefühl für die (ziemlich hübsche) Bestie empfinden, und rückt Pesces Debüt in die Nähe eines anderen Klassikers des Genres: James Whales FRANKENSTEIN (1931). (Falk Straub, kino-zeit.de)

Regie:
Nicolas Pesce
Darsteller:
Kika Magalhaes, Diana Agostini, Will Brill, Olivia Bond, Joey Curtis-Green, Flora Diaz, Paul Nazak, Clara Wong