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DAS UNBEKANNTE MÄDCHEN (OmU - Fassung)

Der 10. Spielfilm der Brüder Dardenne erzählt die Geschichte der jungen Ärztin Jenny (Shooting-Star Adèle Haenel). Als es eines Abends nach Sprechstundenende an der Tür ihrer Praxis klingelt und eine junge Frau um Hilfe bittet, antwortet Jenny nicht, weil sie zur gleichen Zeit den neuen Kollegen vorgestellt wird. Am nächsten Tag erfährt sie von der Polizei, dass eine unidentifizierte, junge Frau tot aufgefunden wurde. Von Schuldgefühlen geplagt, stellt Jenny private Nachforschungen an, um mehr über die Identität der Verstorbenen herauszufinden.

DAS UNBEKANNTE MÄDCHEN
Jahr:
2016
Spielzeit:
106 min
Sprache des Films:
Original mit dt. UT
Land:
BE/F
FSK:

DAS UNBEKANNTE MÄDCHEN, der neue Film der Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, gleicht beinahe einem Thriller – wäre da nicht ihre typische sehr zurückhaltende Art und Weise der Inszenierung, ihre Verweigerung gegenüber den Erfordernissen des Genres und ihre überaus realistische, beinahe schon dokumentarische Sichtweise auf die Welt der kleinen Leute aus einfachen Verhältnissen. Wenn sich Jenny auf Hausbesuch befindet, dann hat man niemals das Gefühl, sich durch ein für einen Film gebautes Set mit Charakteren zu bewegen, sondern glaubt sich in einer "echten" Sozialwohnung bei "echten" Menschen. Dieser auf den ersten Blick schmucklose, nüchterner, fast ein wenig düster-triste Stil ist ebenso kennzeichnend für ihre Filme wie die konkrete und feste Verortung in den grauen Kleinstädten Walloniens.

Hinter diesen rußgrauen Fassaden und in den schmuddeligen Interieurs aber werden bei den Dardennes stets großen Fragen verhandelt – und so ist das natürlich auch in DAS UNBEKANNTE MÄDCHEN, der sich in verschiedenen Konstellationen mit den Themen Schuld und Verantwortung auseinandersetzt. Jenny hat sich nicht nur der Unterlassung schuldig gemacht, sondern bei ihrem Praktikanten Julien eine Krise ausgelöst, die seinerseits ebenfalls etwas mit Schuld zu tun hat. Auch die anderen Menschen, denen wir im Verlauf von Jennys Jagd nach der Wahrheit begegnen, haben in verschiedener Schwere und unterschiedlicher Ausformung Fehler begangen und Schuld auf sich geladen – und nicht jeder findet am Ende zumindest teilweise Erlösung. In gewisser Weise ist der Film - wie stets bei den Dardennes eine Versuchsanordnung über die Unzulänglichkeiten des menschlichen Miteinanders, die aus der in vitro-Situation herausgelöst und in ein genau beobachtetes und nachgezeichnetes soziales Milieu hineingepflanzt wurde. (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

Regie:
Jean-Pierre & Luc Dardenne
Darsteller:
Jérémie Renier, Adele Haenel, Olivier Bonnaud, Louka Minnella

Spielzeiten

Mi 18.01 19:30